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	<title>Ronald J. Pohoryles &#187; Studentenprotest</title>
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	<description>Europäische und Internationale Angelegenheiten</description>
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		<title>Schuld ist Europa? Anmerkung zur gestrigen Demonstration gegen den Bologna-Prozess</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 12:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronald J. Pohoryles</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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		<category><![CDATA[Universitäten]]></category>
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		<category><![CDATA[Bologna]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
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		<category><![CDATA[Studentenprotest]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Intention ist verständlich – aber geht der Protest nicht in eine falsche Richtung? Der Mythos "Bologna" verdeckt, wissentlich von der Politik unterstützt, das Politikversagen im Bereich von Forschung und Lehre. Nicht Bologna ist das Problem, sondern vor allem die Verantwortlichen in Österreich.  <a href="http://www.pohoryles.at/2010/03/14/schuld-ist-europa-anmerkung-zur-gestrigen-demonstration-gegen-den-bologna-prozess/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mehrere tausend Teilnehmer sind gestern Nachmittag durch Wien gezogen, um gegen das neue Bologna-Studiensystem und die Jubiläumskonferenz zu zehn Jahren Bologna-Prozess gestern und heute in Budapest und Wien zu demonstrieren. Die Intention ist verständlich – aber geht der Protest nicht in eine falsche Richtung? <span id="more-1160"></span></p>
<p>Schon letzten Sommer habe ich darauf hingewiesen: Das Politikversagen im Bereich von Forschung und Lehre ist nicht Bologna anzulasten, sondern vor allem den Verantwortlichen in Österreich. Und es gibt hier eine Tateinheit zwischen der Wissenschaftspolitik und den Universitäten. Der Mythos &#8220;Bologna&#8221; verdeckt diesen Umstand, und wissentlich unterstützt die Politik diesen Mythos. Der &#8220;Bologna-Prozess&#8221; hat ein einziges Ziel: Dafür zu sorgen, dass die Mobilität der Studierenden europaweit erleichtert wird. Im einzelnen lässt sich an den Ergebnissen einiges kritisieren; aber was der Bologna-Prozess in keiner Weise beeinflusst, ist die Umsetzung im nationalen Kontext. Der Bologna-Prozess hat in die Flexibilität innerhalb der Studiengänge nicht verringert; in vielen Ländern ist das Gegenteil der Fall. In Österreich freilich wurde Bologna als Ausrede benutzt, um ein Minimalprogramm der universitären Ausbildung durchzusetzen und in den Studienplänen festzuschreiben. Bologna kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Das Versagen der österreichischen Hochschulpolitik: Es gibt keinesfalls zu viele, sondern zu wenig Studierende und daher zu wenige Absolventen. Europaweit ist das Ziel, das Ausmaß der Absolventinnen und Absolventen im tertiären Sektor zu erhöhen. In Österreich hingegen geht es in die andere Richtung: Studienbeschränkungen. Das Hochschulbudget wird nicht erhöht, im neuen Budgetvorschlag sogar reduziert. Zu Recht kritisieren die Universitäten, dass sie zu wenig Mitteln für einen geordneten Studienbetrieb erhalten. Das Ministerium reagiert darauf wohlwollend – mit Zugangsbeschränkungen zum Studium. Uns bleiben immer noch Mozart und die Lipizzaner. Zynisches Zugeständnis an die Studierenden: Es soll wieder mehr Wahlfächer geben. Mit welchen finanziellen Mitteln? Österreich liegt sowohl in der Zahl der Studierenden als auch der Akademikerinnen und Akademiker weit unter dem OECD-Durchschnitt. Die Antwort der Politik war bisher entweder Zugangsbeschränkungen zum Studium fordert, oder konzeptlose generelle Öffnung. Damit stellt Österreich einen Sonderfall in Europa dar: Mit den Lissabon-Zielen haben sich die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, den Schwerpunkt der Politik auf Wissenschaft und Forschung auszurichten. Österreich braucht mehr Studienplätze und eine deutliche Verbesserung des Verhältnisses von Studierenden und Lehrenden. Die Schaffung von zusätzlichen 1′050 Studienplätzen allein für das Medizinstudium und zumindest eben so vieler für das Psychologiestudium kostet massive Investitionen und generell den Ausbau und Neubau von Universitäten. Statt dessen den Zugang zum Studium beschränken, ist ein Weg zurück ins 19. Jahrhundert, wo akademische Ausbildung ein Privileg der begüterten Schichten war. Ohne massiven Ausbau der Universitäten freilich hilft die Öffnung der Universitäten auch nicht. Die Versäumnisse der österreichischen Hochschulpolitik der letzten zwei Jahrzehnte können fraglos nicht kurzfristig behoben werden. Aber Visionen können die Marschrichtung vorgeben. In Österreich sind es negative: Schrumpfung statt Ausbau. Und dafür kann Bologna gar nichts. Die Schuld liegt an der österreichischen Trägheit, an der Politik und an den Verantwortlichen an den Hochschulen. Die leidige Diskussion um die Studiengebühren: Die Verquickung des Themas der Krise der Universitäten mit den Studiengebühren von konservativer Seite und der Universitätskonferenz ist vielmehr symptomatisch für die Absenz jeglichen Interesses dieser Kreise an Wissenschaft, Forschung und an der Fortentwicklung der Universitäten. Statt eine ausreichende Universitätsfinanzierung, verbesserte Arbeitsbedingungen für Studierende und Lehrende zu fordern und Modelle dafür zu entwickeln, dass Studierende ohne materielle Sorge und Nebenerwerbstätigkeit ihren Studien nachzugehen, treten diese Kreise für ständische Interessen ein. Bis zu ihrer Abschaffung haben die Studiengebühren gerade einmal 5% des Universitätsbudgets ausgemacht. Stellt man die Kosten für Studienverzögerung in Rechnung, die Studierende in Kauf nehmen müssen, weil sie Leben und Studiengebühren finanzieren müssen, sieht man, welche ungeheure Vergeudung damit verursacht wird. Aber auch die Widersacher der Studiengebühren haben außer der konzeptlosen Forderung nach Öffnung wenig anzubieten. Liberale fordern eine ausreichende Finanzierung der Universitäten, günstige Kredite für Studierende zur Deckung ihres Lebensunterhalts und die Grundsicherung, damit die Schuldenbelastung bei Berufsantritt nicht zu hoch wird. Die Universitätskonferenz soll sich darum kümmern und nicht um die Erhaltung der derzeitigen Privilegien der Akademikerinnen und Akademiker und im besonderen der Universitätsangehörigen.</p>
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		<title>Versäumnisse in der Universitätspolitik: Studentinnen und Studenten wehren sich</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 11:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronald J. Pohoryles</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Studentenprotest]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht alle Forderungen der Studierenden sind berechtigt; man kann das aber auch nicht von einer spontanen Protestbewegung erwarten. Bemerkenswert aber, dass diese Bewegung spontan mit einem Generalstreik an der Akademie der bildenden Künste begann, der nur zwei Tage später zur Besetzung des Auditorium Maximum der Universität Wien führte.
 <a href="http://www.pohoryles.at/2009/10/27/versaumnisse-in-der-universitatspolitik-studentinnen-und-studenten-wehren-sich/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Versäumnisse der Hochschulpolitik in den letzten Jahren haben zu so unerträglichen Zuständen geführt, dass nun die Studierenden sich auch in Österreich zu wehren beginnen. Die Bewegung hat mit den Protesten der Studentenbewegung in den 1960er Jahren wenig zu tun; es geht um die katastrophalen Studienbedingungen. Auch in Frankreich ist diese Tendenz  spätestens seit den Studentenprotesten 2006 deutlich geworden: Es geht um Studienbedingungen und, jedenfalls in Frankreich, um Karrierechancen.  In Frankreich haben die Proteste zwar noch zu keinen nachhaltigen Verbesserung des Zustands der Universitäten geführt; aber 2006 konnte eine Gesetz zu Fall gebracht werden, dass die Arbeitsbedingungen bei der Aufnahme der ersten Berufstätigkeit deutlich verschlechtert hätte (und das nicht nur für Studierende). Zu hoffen, dass der Protest die hilflose österreichische Universitätspolitik endlich aufrüttelt. Bedauerlich, dass sich die Lehrenden kaum mit der spontanen Bewegung solidarisieren.<span id="more-794"></span></p>
<p>Erstaunlich auch, dass sich die Presse wenig um die Realität der österreichischen Universitäten schert und oft nur Häme für die Notwehraktionen der Studierenden aufbringt. Über Herrn <a href="http://www.andreas-unterberger.at/2009/10/grune-uni-nostalgie/">Unterberger </a>brauchen wir uns wohl nicht zu wundern. Über die Presse aber schon mehr: Unter <a href="http://diepresse.com/home/meinung/meinungimport/517387/index.do?from=suche.intern.portal">&#8220;Die Partysanen vom Audimax&#8221; </a>fällt dem Presse-Redakteur Oliver Pink nur die &#8220;Partynacht&#8221; auf und unterstellt den protestierenden Studierenden, sie seien nicht die eifrigsten; diese wären durch die Protestmaßnahmen am Studieren gehindert (&#8220;Die Presse&#8221; vom 25.Oktober). Durch die Realität des Studienalltags in überfüllten Hörsälen, die mangelnde Betreuung, das Warten auf Laborplätze und Praktikumsplätze, etc., nicht?<!--more--></p>
<p>Natürlich, nicht alle Forderungen der Studierenden sind berechtigt; man kann aber auch nicht von einer spontanen Protestbewegung erwarten, dass sie ein rational ausgewogenes Programm vorzulegen im Stande ist. Bemerkenswert aber, dass diese Bewegung spontan mit einem Generalstreik an der Akademie der bildenden Künste begann, der nur zwei Tage später zur Besetzung des Auditorium Maximum der Universität Wien führte.</p>
<p>Die Studierenden haben scheinbar jenen bildungspolitischen Weitblick, der der österreichischen Universitätspolitik, aber auch den Rektoren und zahlreichen Professoren und den leider weniger zahlreichen Professorinnen abgeht. Diese sehen den bequemsten Ausweg: Zugangsbeschränkungen. Wissenschaftsminister Hahn missbraucht den Missstand dazu, die Wiedereinführung der Studiengebühren zu fordern, ohne zugleich aber wenigstens eine Verbesserung der Situation in Aussicht zu stellen. Selbstgerecht weist er lediglich darauf hin, dass das beschämend niedrige Universitätsbudget ohnedies erhöht würde.</p>
<p>Zum angeblichen Problem der zu hohen Zahl der Studierenden.  In Österreich gibt es weniger Studierende als im EU-Durchschnitt, folgerichtig liegt auch der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker an den Berufstätigen in Österreich darunter: Während 2006 der Anteil der Akademiker an den Berufstätigen in Österreich 20,5% ausmacht, liegt dieser im europäischen Durchschnitt 28,8%. Unter den EU-15 liegt Österreich damit am beschämenden 13. Platz. Will man hier ernsthaft durch weitere Zugangsbeschränkungen zurückfallen?</p>
<p>Studiengebühren? Was die Finanzierung zur Qualitätsverbesserung der Universitäten betrifft, so ist dies eine politische Herausforderung; die 0,15 Milliarden €, die die Studiengebühren im Studienjahr 2007/2008 ausgemacht hatten, sind hier wohl kaum das Hauptproblem.</p>
<p>Natürlich hat der Missstand mit der Finanzierung zu tun: Österreich hat zu wenige Universitäten, mangelnde Infrastruktur an den bestehenden Hochschulen, zu wenig Personal, das darüber hinaus noch durch hohen bürokratischen Aufwand belastet wird. Das zahlenmäßige Verhältnis von Lehrenden und Studierenden ist schlecht, und diese Situation ist auch nicht dazu angetan, international renommierte Forscherinnen und Forscher, geschweige denn gute Studierende aus dem Ausland anzuziehen.</p>
<p>Zur Erinnerung: von den 3% am BIP, das der Europäische Rat  für den Lissabon-Prozess schon vor Jahren für Forschung als Selbstverpflichtung bis 2010 gefordert hat, ist Österreich weit entfernt. In Schweden etwa ist der Anteil des Forschungsbudgets am Budget  7%.</p>
<p>In einem haben die Studierenden aber unrecht: der Protest gegen das Bachelor-System, ein Protest, bei dem sie ausgerechnet von Oliver Pink unterstützt werden. Das dreistufige System ist das Ergebnis des Bologna-Prozesses, der Studien international vergleichbar machen soll. Durch diesen werden internationale Austauschprogramme und insbesondere anrechenbare Studienaufenthalte im Ausland überhaupt erst möglich; das Pink&#8217;s Sorge hier ist, es handle sich um &#8220;eine Titelschwemme, die akademische Titel entwertet&#8221; (Die Presse, 25.10.2009) zeugt davon, dass das Ankommen im 21. Jahrhundert, jedenfalls in Österreich, noch ein wenig auf sich warten lässt.</p>
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