Thema: Wissenschaft und Forschung

Versäumnisse in der Universitätspolitik: Studentinnen und Studenten wehren sich

von Ronald J. Pohoryles am 27. Oktober 2009 | 2 Kommentare

Die Versäumnisse der Hochschulpolitik in den letzten Jahren haben zu so unerträglichen Zuständen geführt, dass nun die Studierenden sich auch in Österreich zu wehren beginnen. Die Bewegung hat mit den Protesten der Studentenbewegung in den 1960er Jahren wenig zu tun; es geht um die katastrophalen Studienbedingungen. Auch in Frankreich ist diese Tendenz  spätestens seit den Studentenprotesten 2006 deutlich geworden: Es geht um Studienbedingungen und, jedenfalls in Frankreich, um Karrierechancen.  In Frankreich haben die Proteste zwar noch zu keinen nachhaltigen Verbesserung des Zustands der Universitäten geführt; aber 2006 konnte eine Gesetz zu Fall gebracht werden, dass die Arbeitsbedingungen bei der Aufnahme der ersten Berufstätigkeit deutlich verschlechtert hätte (und das nicht nur für Studierende). Zu hoffen, dass der Protest die hilflose österreichische Universitätspolitik endlich aufrüttelt. Bedauerlich, dass sich die Lehrenden kaum mit der spontanen Bewegung solidarisieren. (weiterlesen…)

Universitätsranking zeigt: Österreichische Universitätspolitik ist nicht lernfähig

von Ronald J. Pohoryles am 12. Oktober 2009 | Kein Kommentar

Ich bin zwar kein Freund von Rankings aller Art: Sie sind methodisch durchaus fragwürdig und geben zwar den Rangplatz, nicht aber den Abstand zwischen den Universitäten ab. Die Medien tragen durch unsachgemäßen Umgang mit den Ergebnissen das Ihrige dazu bei. Der Punkteabstand zwischen den einzelnen Universitäten wird zwar von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berichtet und ist oft sehr gering. Diskutiert wird aber meist nur das Ranking. Wissensproduktion unterscheidet sich aber von den Sportarten, wo es um Hundertstelsekunden geht.

Fakt ist aber: Österreich schwächelt im akademischen Bereich, und dies schon seit langem.  In diesem Sinn scheint das Universitätsranking der Times die Realität wiederzugeben: Als einzige heimische Hochschule ist nur die Universität Wien in den Top 200 vertreten. Der Hauptgrund dafür ist das schlechte Betreuungsverhältnis. Und schon ist sie wieder da: die Diskussion um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich in der ORF-Pressestunde für die Wiedereinführung von Studiengebühren ausgesprochen: “”Alle topgereihten Unis haben Studiengebühren und Auswahlverfahren.” Genau das verdeckt aber das wahre Problem des österreichischen Hochschulsystems.

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Tritt Österreich aus der EU aus – oder nur aus dem Europäischen Forschungsraum?

von Ronald J. Pohoryles am 21. Juli 2009 | Kein Kommentar

Schlau geführt, der nächste Schlag gegen die österreichische Forschung. Mit blendender Taktik und kluger Ausspähung des Gegners, nämlich der Forscherinnen und Forscher dieses Landes: Ohne Vorwarnung, genau zur Urlaubszeit, nämlich am 17.7. informierte die Forschungsförderungsgesellschaft die staunende Forschungsgemeinde, dass das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 31.8. die Zusatzfinanzierung europäischer Projekte einstellt. Damit wird es vor allem, aber nicht nur, Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern erschwert, wenn nicht gänzlich verunmöglicht, an Europäischen Projekten teilzunehmen. Die Europäische Union fördert Forschungsprojekte lediglich zu 75%; wirtschaftsrelevante und technische Projekte können die restlichen 25% natürlich von interessierten Firmen einwerben, oder werden überhaupt von den firmeneigenen Forschungsprojekten durchgeführt.

Für sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte sieht dies natürlich anders aus: Welche Firmen finden sich etwa, die ein Projekt über die Hintergründe des Populismus und demokratische Gegenstrategien mitfinanziert? Das ganze Programm der Europäischen Union, das sich mit Demokratiefragen beschäftigt, ist damit für österreichische Forschungseinrichtungen, die auf nicht-gewinnorientierter Basis arbeiten, nur sehr erschwert, wenn überhaupt noch, zugänglich.

Die Kurzsichtigkeit der Maßnahme ist offensichtlich: Immerhin zahlt die Europäische Kommission für jeden Euro, den Österreich in ein europäisches Forschungsprojekt investiert, drei Euro dazu…

Darüber hinaus blamiert sich die österreichische Forschungspolitik nach der überflüssigen CERN-Debatte ein weiteres Mal: Immerhin hat sich Österreich Europa gegenüber verpflichtet, am Auf- und Ausbau des Europäischen Forschungsraum mitzuwirken. Umso unverständlicher ist die Maßnahme des Ministeriums, die wohl nur als Revanche-Foul für den CERN-Ausstiegsflop verstanden werden kann. Im Regierungsprogramm war ja noch von der Bedeutung der Forschung die Rede, und Bundesminister Hahn ließ sich einschlägig plakatieren; dafür waren ja Budgetmittel vorhanden…  (weiterlesen…)

Sozialwissenschaftliche Forschung in Österreich muß warten…

von Ronald J. Pohoryles am 13. Juli 2009 | Kein Kommentar

Die sozial- und geisteswissenschaftlichen Institute sind das nächste Opfer der Sparpolitik eines Wissenschaftsministers, dem Wissenschaft und Forschung weniger am Herzen liegen als der Traum vom Bürgermeisteramt, das er auch mithilfe der FPÖ erreichen wollen würde.

Nachdem die wissenschaftliche Gemeinschaft in Einklang mit der Öffentlichkeit den Rückzug aus dem internationalen CERN-Programm verhindern konnte, stürzt sich der,  bei seiner eigenen Dissertation etwas schlampig zitierende, Bundesminister Johannes Hahn auf die Sozial- und Geisteswissenschaften. Während die Basissubventionen für die außeruniversitäten Institute noch unklar ist (sogar für das laufende Kalenderjahr!), wird eine Unterstützung, die auf Zielvereinbarungen beruht, schlicht gestrichen; mit nur 1,5 M€ wurden 14 Institute für Weiterqualifikation  der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefördert. Diese Massnahmen war für viele dieser 14 Institute essentiell: Neben der Projektarbeit ist die ständige Weiterqualifizierung für ein erfolgreiches Bestehen im internationalen Wettbewerb Grundvoraussetzung. Dies kann aus der  – meist nicht-gewinnorientierten – Projektarbeit nicht finanziert werden.

Diese wehren sich mit einem offenen Brief. Unterstützungen sind willkommen (siehe “Petitionen Plattform GSK”; bitte dort anklicken).

Liberale Politik in der gegenwärtigen Krise

von Ronald J. Pohoryles am 12. Mai 2009 | 1 Kommentar

Glück und Zufall können einem mitunter in die Hände spielen. Ich hatte vor, auf eine Diskussion zur liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, die ich auf dem LIF-Blog angezettelt hatte, zusammenfassend einzugehen. Dies zur  Verteidigung von Volkswirtschaftstheorie und Politikwissenschaft: Neben freundlichen Kommentaren gab es auch solche, die mich mehr oder minder als Weltfremden darstellten: Was ich denn eigentlich mit diesen alten Theorien sagen wollte; obwohl ich dies am Ende meines langen Beitrags deutlich gemacht hatten.

Glück und Zufall: Als Teilnehmer beim derzeit in Bergen stattfindenden World Social Science Forum hatte ich Gelegenheit, kurz mit dem Ökonomie-Nobelpreisträger Amartya Sen zu plaudern, der hier die Eröffnungsrede hielt. Er machte mich auf einen jüngst von ihm publizierten Artikel in der “New York Review of Books” (Ausgabe vom 26 März 2009) aufmerksam, der sich mit der aktuellen Diskussion um die Krise beschäftigt und der zugleich die Aktualität der Wirtschaftstheorien belegt. (“Capitalism Beyond the Crisis”). Der Artikel ist hier besonders wichtig, weil er nicht vor 250 Jahren (Smith) oder 75 Jahren (Keynes, Pigou) entstanden ist, sondern im Vorjahr.

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