Thema: Universitäten

Zeit zu kämpfen, Zeit zu studieren; ein Appel

von Ronald J. Pohoryles am 11. Dezember 2009 | Kein Kommentar

Es ist in der Tat erstaunlich, was Österreichs Studierende erreicht haben:

  • Eine Bildungsdiskussion in Österreich, die Medien und Öffentlichkeit verstanden und unterstützt haben;
  • eine Aufstockung des Universitätsbudgets, die ohne die massive Bewegung der Studierenden nicht erreicht werden hätte können;
  • internationale Solidarität und Beispielwirkung in Ländern, die früher in studentischen Bewegung führend waren;
  • überzeugend durch Wort und Tat zu beweisen, dass der Widerstand der Studierenden kein Kampf für Privilegien der Bildungsschicht ist, sondern auch andere gesellschaftliche Probleme thematisiert.

Damit ist noch keineswegs alles erreicht, was für die Qualitätsverbesserung der österreichischen Universitäten nötig ist. Nun aber ist der Moment gekommen, die Besetzungen zu beenden und auf andere Weise Reformen durchzusetzen. Aus einem Sieg können Niederlagen werden, wenn der Bogen überspannt wird. (weiterlesen…)

Versäumnisse in der Universitätspolitik: Studentinnen und Studenten wehren sich

von Ronald J. Pohoryles am 27. Oktober 2009 | 2 Kommentare

Die Versäumnisse der Hochschulpolitik in den letzten Jahren haben zu so unerträglichen Zuständen geführt, dass nun die Studierenden sich auch in Österreich zu wehren beginnen. Die Bewegung hat mit den Protesten der Studentenbewegung in den 1960er Jahren wenig zu tun; es geht um die katastrophalen Studienbedingungen. Auch in Frankreich ist diese Tendenz  spätestens seit den Studentenprotesten 2006 deutlich geworden: Es geht um Studienbedingungen und, jedenfalls in Frankreich, um Karrierechancen.  In Frankreich haben die Proteste zwar noch zu keinen nachhaltigen Verbesserung des Zustands der Universitäten geführt; aber 2006 konnte eine Gesetz zu Fall gebracht werden, dass die Arbeitsbedingungen bei der Aufnahme der ersten Berufstätigkeit deutlich verschlechtert hätte (und das nicht nur für Studierende). Zu hoffen, dass der Protest die hilflose österreichische Universitätspolitik endlich aufrüttelt. Bedauerlich, dass sich die Lehrenden kaum mit der spontanen Bewegung solidarisieren. (weiterlesen…)

Universitätsranking zeigt: Österreichische Universitätspolitik ist nicht lernfähig

von Ronald J. Pohoryles am 12. Oktober 2009 | Kein Kommentar

Ich bin zwar kein Freund von Rankings aller Art: Sie sind methodisch durchaus fragwürdig und geben zwar den Rangplatz, nicht aber den Abstand zwischen den Universitäten ab. Die Medien tragen durch unsachgemäßen Umgang mit den Ergebnissen das Ihrige dazu bei. Der Punkteabstand zwischen den einzelnen Universitäten wird zwar von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berichtet und ist oft sehr gering. Diskutiert wird aber meist nur das Ranking. Wissensproduktion unterscheidet sich aber von den Sportarten, wo es um Hundertstelsekunden geht.

Fakt ist aber: Österreich schwächelt im akademischen Bereich, und dies schon seit langem.  In diesem Sinn scheint das Universitätsranking der Times die Realität wiederzugeben: Als einzige heimische Hochschule ist nur die Universität Wien in den Top 200 vertreten. Der Hauptgrund dafür ist das schlechte Betreuungsverhältnis. Und schon ist sie wieder da: die Diskussion um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich in der ORF-Pressestunde für die Wiedereinführung von Studiengebühren ausgesprochen: “”Alle topgereihten Unis haben Studiengebühren und Auswahlverfahren.” Genau das verdeckt aber das wahre Problem des österreichischen Hochschulsystems.

(weiterlesen…)

Tritt Österreich aus der EU aus – oder nur aus dem Europäischen Forschungsraum?

von Ronald J. Pohoryles am 21. Juli 2009 | Kein Kommentar

Schlau geführt, der nächste Schlag gegen die österreichische Forschung. Mit blendender Taktik und kluger Ausspähung des Gegners, nämlich der Forscherinnen und Forscher dieses Landes: Ohne Vorwarnung, genau zur Urlaubszeit, nämlich am 17.7. informierte die Forschungsförderungsgesellschaft die staunende Forschungsgemeinde, dass das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 31.8. die Zusatzfinanzierung europäischer Projekte einstellt. Damit wird es vor allem, aber nicht nur, Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern erschwert, wenn nicht gänzlich verunmöglicht, an Europäischen Projekten teilzunehmen. Die Europäische Union fördert Forschungsprojekte lediglich zu 75%; wirtschaftsrelevante und technische Projekte können die restlichen 25% natürlich von interessierten Firmen einwerben, oder werden überhaupt von den firmeneigenen Forschungsprojekten durchgeführt.

Für sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte sieht dies natürlich anders aus: Welche Firmen finden sich etwa, die ein Projekt über die Hintergründe des Populismus und demokratische Gegenstrategien mitfinanziert? Das ganze Programm der Europäischen Union, das sich mit Demokratiefragen beschäftigt, ist damit für österreichische Forschungseinrichtungen, die auf nicht-gewinnorientierter Basis arbeiten, nur sehr erschwert, wenn überhaupt noch, zugänglich.

Die Kurzsichtigkeit der Maßnahme ist offensichtlich: Immerhin zahlt die Europäische Kommission für jeden Euro, den Österreich in ein europäisches Forschungsprojekt investiert, drei Euro dazu…

Darüber hinaus blamiert sich die österreichische Forschungspolitik nach der überflüssigen CERN-Debatte ein weiteres Mal: Immerhin hat sich Österreich Europa gegenüber verpflichtet, am Auf- und Ausbau des Europäischen Forschungsraum mitzuwirken. Umso unverständlicher ist die Maßnahme des Ministeriums, die wohl nur als Revanche-Foul für den CERN-Ausstiegsflop verstanden werden kann. Im Regierungsprogramm war ja noch von der Bedeutung der Forschung die Rede, und Bundesminister Hahn ließ sich einschlägig plakatieren; dafür waren ja Budgetmittel vorhanden…  (weiterlesen…)

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wehren sich gegen den CERN-Ausstieg; es geht uns alle an

von Ronald J. Pohoryles am 11. Mai 2009 | Kein Kommentar

Seit gestern gibt es eine Petition im Internet, die es zum Ziel hat, Österreichs Ausstieg aus dem CERN zu verhindern. Der Beitrag zum CERN-Programm beträgt nicht einmal ein halbes Prozent des vorgesehenen Forschungsbudgets.

(weiterlesen…)