Ratingagenturen haben es langsam, aber sicher schwer: Nachdem sie an den Turbulenzen am Finanzmarkt nicht unbeteiligt waren, beginnen die Martteilnehmer, genauer auf deren Einschätzungen einzugehen. In Europa macht sich langsam das Bewusstsein breit, dass eine europäische Ratingagentur entstehen muss, die zugleich vertrauenswürdig und effizient sein muss. Privat oder öffentlich: Jedenfalls aber europäisch.
Kehrt auf den Finanzmärkten wieder die Vernunft ein? Die Märkte gehen jedenfalls auf Distanz: Wie die Neue Zürcher Zeitung, zweifellos kein Börsenfeind, in ihrer Ausgabe vom 17. Jänner feststellt, sind die Auswirkungen des S&P-Massakers wesentlich geringer als angenommen. Für Frankreich hat sich wenig verändert, die spanischen Staatsanleihen konnten problemlos plaziert werden, und zwar zu deutlich günstigeren Konditionen als vor der Abstufung durch S&P.
Liana Giorgi hat auf ihrem Blog eine interessante Analyse veröffentlicht: Sie widerspricht der These, die Ratingagenturen seien amerikalastig (hier hat sie meiner Meinung nach unrecht) oder sie seien intransparent. Auf ihrer Homepage gibt etwa S&P durchaus die Bewertungskriterien für die Einschätzung an. Bloss: Die Methode weist schwere Fehler auf, wie die am MIT und in Cambridge graduierte Politikwissenschaftlerin nachweist.
Kehrt am Markt wieder Vernunft ein? Am 17. Januar sah es ganz danach aus. Die Macht der Ratingagenturen scheint zumindest für den Augenblick gebremst.
Wie die NZZ berichtete:
- Unter dem Titel “Achselzucken über Rating-Rundumschlag” schreibt Benjamin Triebe:
Die europäischen Staatsanleihenmärkte haben nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern wenig verändert notiert. Die europäischen Aktienmärkte schlossen mehrheitlich im Plus. Die Anleger haben am Montag gelassen auf die Herabstufung der Bonitätsnoten von neun Euro-Ländern durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) reagiert. Die europäischen Staatsanleihenmärkte notierten wenig verändert, die Börsen schlossen mehrheitlich leicht im Plus.
- Über Frankreich heißt es in dem Artikel:
Die Obligationen Frankreichs, das am späten Freitagabend die beste (langfristige) Bonitätsnote verloren hatte, bewegten sich kaum von der Stelle. Kosten für die Absicherung gegen einen französischen Zahlungsausfall (CDS) zogen laut dem Datenanbieter Markit gering, um 5 auf 222 Basispunkte, an.
Spanien trotzt Herabstufung bei Geldmarktauktion
Nach der Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor’s in der vergangenen Woche konnte sich Spanien dennoch Geld zu deutlich günstigeren Zinsen am Geldmarkt besorgen. Die durchschnittlichen Renditen der 12- und 18-Monatspapieren sanken. Trotz der Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat sich Spanien zu deutlich günstigeren Zinsen Geld beschaffen können. Das südeuropäische Euro-Land sammelte am Dienstag 4,88 Mrd. Euro am Kapitalmarkt ein. Die durchschnittliche Rendite für 12-Monatspapiere sank auf rund 2,05 von 4,05 Prozent an der vorigen Auktion. Bei 18-Monatspapieren musste Spanien den Anlegern nur noch eine durchschnittliche Rendite von rund 2,4 Prozent bieten nach zuletzt rund 4,2 Prozent.


