“La fin d’un Monde”, das Ende der Welt, so titelte unlängst mit subtilem Humor der Canard enchaîné den potentiellen Verlauf des Flaggschiffs der französischen Medien, der unabhängigen Tageszeitung Le Monde, noch im Teilbesitz ihrer Redakteure. Hintergrund: der bevorstehende Verkauf des schwer in Bedrängnis geratenen Medienkonzerns. Sarkozy ante portas : Er sah seine Chance gekommen, den linksliberalen “Le Monde”, auf Deutsch “Die Welt”, unter seine Kontrolle zu bringen.
Nach der WM und seinen – nicht unwitzigen, dafür aber erfolglosen – Interventionen hatte sich Sarkozy ein neues Spielfeld gesucht sich, auf dem er auch nichts zu suchen hat: die unabhängige Presse. Zumindes hier ist der Versuch, noch mehr Medienmacht zu erlangen, spektakulär gescheitert; wie eben auch bei den “Bleus“.
Die Erstausgabe des “Monde” erschien am 19. Dezember 1944 – und ich bin stolz, ein Faksimile des Deckblatts dieses französischen Leitmedium in meinem Büro hängen zu haben. Heutzutage leidet es allerdings wie die meisten Printmedien unter dem geänderten Verhalten der Medienkonsumentinnen und –konsumenten. Speziell die Tageszeitungen stehen unter dem Druck von audiovisuellen Medien und dem Internet.
In Frankreich wurde schon im Vorjahr die ebenfalls unabhängige Libération vom Haus Rothschild gerettet; Le Monde, das schon zahlreiche Rationalisierungsversuche unternommen hatte , stand nach einem Verlust von 24 Millionen € im Jahr 2009 vor dem Konkurs. Für Juli waren 10 Millionen € von Nöten, um Gehälter und laufende Rechnungen zu bezahlen. Dazu kamen 25 Millionen €, die der BNP geschuldet werden sowie eine Wandelanleihe von 69 Millionen €.
Alle Aktionäre waren sich einig: Verkauf oder Pleite. Die letztere Variante wäre bedauerlicher als die erste. Der Verkauf bringt es freilich mit sich, dass die Journalisten, bisher Aktionäre, ihre Mitbestimmungsrechte verlieren; ihre journalistische Freiheit behalten sie aber.
Die Zeitung stand zum Verkauf. Mehrere Bietergruppen waren zunächst bereit, diese anzukaufen. Alles schien darauf hinauszulaufen, dass eine Bietergruppe um den “NovelObs”, einer linksliberalen Wochenzeitschrift gemeinsam mit der Finanzgruppe Bergé, Pigasse und Niel, das Rennen macht.
Ein Dorn im Auge Sarkozys, der seine Medienmacht, dem Beispiel Berlusconis folgend, auszubauen gedachte. Sarkozy kontrolliert schon heute via der Direktionen der Sender TF1 und Europe1.
Auch am Printsektor ist Sarkozy gut aufgestellt: Er kontrolliert indirekt den Figaro, die Qualitätszeitung der Rechten sowie der “Journal de Dimanche“, eine Sonntagszeitung, die durchaus Gewicht hat, weil es in Frankreich Sonntagsausgaben der Tagespresse nicht gibt. Bei anderen Medien, der Wirtschaftszeitung “Echos” und der Tageszeitung “France-Soir” sorgte er beim Eigentümerwechsel dafür, dass gute Freunde die neuen Eigentümer wurden.
Die Schieflage des Monde kam für Sarkozy wie gerufen; die Hoffnung, ein weiteres Medium, noch dazu das Leitmedium der Linken und der Liberalen mundtot zu machen, ließ ihn frohlocken, zumal der Versuch, die Rettung durch einen Verkauf an andere Medieninhaber unabhängiger Qualitätsmedien, die Eigner des italienischen “L’Espresso” und die der spanischen “El Pais” an der Höhe der Schulden gescheitert war.
“Here comes Sarkozy”: Auf den Spuren Berlusconis wandernd griff er persönlich ein. Er zitierte, eine Ungeheuerlichkeit in westlichen Demokratien, den Herausgeber Eric Fottorino Anfang Juni zu sich, um ihm kurz und bündig mitzuteilen, dass er an Orange-France Telecom verkaufen müsse. France Telecom ist hauptsächlich im Staatsbesitz. An deren Spitze steht der ehemalige Bürochef der Ministerin Christine Lagarde steht, ein Sarkozy-Günstling. Falls Le Monde sich weigern würde, würde die im Staatsbesitz befindliche Caisse des dépôts et consignations die 20 Millionen € zur Rettung der Druckerei des Monde nicht flüssig machen.
Allein, die Redakteure haben sich durchgesetzt, wie schon 2007, als sie den Sarkozy-Freund Alain Minc zur Rücktritt als Aufsichtsratschef gezwungen hatten. France Télécom hat sich heute zurückgezogen. Die Gruppe um den NouvelObs wird wohl den Zuschlag erhalten, nachdem sich France Télécom zurückgezogen hat.
Den künftigen neuen Eigentümern, aber insbesondere den Redakteurinnen und Redakteuren, meine Hochachtung vor ihrem Widerstand und unsere besten Wünsche.






Dem schließe ich mich gerne an :)
LG