Mit Erstaunen habe ich folgende Aussage John Bunzls in der letzten Ausgabe des KURIER gelesen. Zur Frage nach dem ansteigenden Antisemitismus meinte er: “Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Antisemitismus und Israel-Kritik. Daher kommen die Zahlen, der Antisemitismus würde zunehmen (…) Oft sind es Migranten aus dem arabischen Raum, die nicht nach dem traditionellen christlichen Antisemitismus handeln”.
Damit stellt sich die interessante Frage, ob der Antisemitismus von Migranten mit islamischem Hintergrund – übrigens in ihrer Mehrheit Türken und nicht aus dem arabischen Raum, legitim ist. Die Israelische Kultusgemeinde hat penibel antisemitische Übergriffe dieses “anderen” Antisemitismus dokumentiert. Ist es legitim, dass jüdische Kinder, die an ihrer Kleidung als solche erkennbar sind, von Jugendlichen mit Migrationshintergrund geschlagen und bespuckt werden? Ist es legitim, dass nazi-ähnliche Parolen gegen Jüdinnen und Juden bei einer Demonstration gegen die Seeblockade gegen Gaza mitgeführt werden? Ist es legitim, dass Taxifahrer es ablehnen, Rabbiner zu fahren (verstößt übrigens gegen die Taxiordnung)? Ist daran vielleicht Israel schuld?
Vielleicht noch dieses: Wenn Bunzl der Auffassung ist, dass antisemitische Aktivitäten mit islamischem Hintergrund KEINEN österreichischen Antisemitismus darstellen, so nähert er sich auf subtile Weise jenem rechten populistischen Eck an, der auch der 2. und 3. Generation von Migrantinnen und Migranten das Recht abspricht, “echte Österreicher” zu sein.
Man erinnert sich daran, dass Herr Bunzl am ÖIIP arbeitet; jenem Institut, das im Vorjahr in Zusammenarbeit mit der Islamischen Republik eine Tagung zu den friedlichen Absichten der Nuklearforschung im Iran abhielt. Das anschließende Buffet wurde von der iranischen Botschaft finanziert. Da wird man wohl fein zwischen dem (illegitimen) christlichen Antisemitismus und dem (scheinbar legitimen) islamischen unterscheiden müssen…






Also O-Text lautet: “Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Antisemitismus und Israel-Kritik. Daher kommen die Zahlen, der Antisemitismus würde zunehmen. Das ist aber nicht der klassische Antisemitismus. Oft sind es Migranten aus dem arabischen Raum, die nicht nach dem traditionellen christlichen Antisemitismus handeln.”
(Quelle http://kurier.at/nachrichten/2011141.php)
Es ist ja ungeschickt formuliert (soweit ich das als non-native-speaker-at-all beurtelien kann), ich habe das aber so verstanden : “Es gibt Antisemitismus und es gibt Israelkritik. Manche machen diesen Unterschied nicht und glauben, dass der Antisemitismus steigt. Es ist aber in dem Fall kein klassischen christlichen Antisemitismus, sondern Israelkritik von Migranten aus dem arabischen Raum.” [und du hast recht, Türken und Bosnien sind damit schlecht vertretet]
Aber am bestens John Bunzl direkt fragen, ggf. mit der Bitte um eine Ergänzung/Umformulierung im Kurier.
Lieber Jerome, ich werde NICHT mit John Bunzl sprechen; ich spreche mit Herrn Bunzl nicht mehr, seit er an der gemeinsamen Veranstaltung mit der Islamischen Republik Iran, die ich in meinem Blog erwähnt habe, mitgewirkt hat. Ich glaube daher nicht an missverständliche Aussagen von ihm; sie waren klar genug. Und reden hier von Antisemitismus, nicht von Israel-Kritik. Sind die die Parolen eigentlich unbekannt, die von den “Friedensdemonstranten” anläßlich der “Freidensflottilie” in Wien verwendet wurden?
Lieber Ronald, zu Deinen Fragen, ob … legitim sei: Klares NEIN, egal von wem auch immer.
Mir kommt vor, es ist auch eine Strategie, sich zuerst ein wenig unklar auszudrücken, und dann, wenn Kritik kommt, den Bonus des “Missverständnisses” zu haben. Der zitierte Kurier-Beitrag ist ja nicht der erste, wo man bei genauem Lesen Deutungsspielraum hat, was das jetzt wirklich heißen soll. Auf Dauer glaub ich nicht an die “ungeschickten Formulierungen”. Sich stets “ungeschickt auszudrücken”, ist entweder grob fahrlässig oder doch von unredlicher Absicht getragen.