Die Nachricht von meinem Tod ist etwas übertrieben…

… soll Mark Twain gesagt haben,  als eine regionale  Zeitung einen Nekrolog über ihn veröffentlicht hatte.  Selbiges passierte dem Liberalen Forum.

Ein Herr Stuhlpfarrer von der ansonsten recht seriösen Wiener Tageszeitung “Die Presse” schrieb in einem Artikel “Die neuen Freunde von Michael Häupl”  unter anderem folgende Dummheit:  „Nach der Auflösung des Liberalen Forums wechselten zahlreiche Wiener LIF-Vertreter ebenfalls zur SP – was weniger mit der Bewunderung Häupls, als mit Einfluss, Posten und Geld zu tun hatte, über die die mächtige Bürgermeisterpartei verfügt.“

Was natürlich völliger Unsinn ist. Allerdings intentionaler, wie ich meine. Schließlich hat Die Presse schon öfter über uns auch in jüngster Zeit, wenn auch nicht immer freundlich, berichtet. Oliver Pink, Innenpolitik-Chef der Presse, war sogar als Gast des LIF beim ELDR-Kongress und hat über diesen und die LIF-Delegation ausführlich berichtet.

Ich konnte auf den Artikel erst heute reagieren, da ich Opfer der europäischen Verkehrssituation war: In Paris steckengeblieben – es kann einem Schlimmeres passieren. Keine Flüge von Roissy, die französischen Bahnen im Streik, Taxi zu teuer, Leihwagen ausgebucht. Montag schließlich doch einen Leihwagen bekommen und mit diesem nach Luxemburg gefahren. Dort gab es gestern genau einen Flug: den nach Wien…

Hier meine Antwort auf den infamen Presseartikel:Sehr geehrter Herr Stuhlpfarrer

Mit großer Bestürzung musste ich nach Irrfahrten durch ganz Europa erfahren, dass Sie als Redaktionsmitglied einer seriösen Tageszeitung mehr als eine, wie ich meine bewusste, Fehlinformation bezüglich des LIF in Umlauf gesetzt haben.

Zum ersten stimmt es historisch nicht, dass Wiener LIF-Mitglieder in Scharen zur SPÖ übergelaufen seien; die damalige Wiener Landessprecherin ist sogar zur ÖVP gewechselt und hat für diese für den Gemeinderat kandidiert. Das LIF hält eine Äquidistanz zu SPÖ und ÖVP. Hätten Sie unschwer durch Recherche herausfinden können, sei es durch nachfrage, sei es durch einen Blick in Ihr eigenes ausgezeichnetes Archiv.

Zum zweiten ist es ungeheurlich, dass Sie von einer Auflösung des LIF sprechen. Fragen Sie doch einfach einmal bei Oliver Pink nach, oder lesen Sie über Aktivitäten des LIF in Ihrer eigenen Zeitung nach. Das Archiv ist allenfalls auch online verfügbar; ich helfe Ihnen dabei gerne!

Warum ich annehme, dass es sich um eine bewusste Fehlinformation handelt, ist einfach erklärt: In Ihrer eigenen Zeitung ist wiederholt von Aktivitäten des LIF berichtet worden. Oliver Pink ist mit der LIF-Delegation (9 Mitglieder des ELDR-Kongresses, 2 Mitglieder des ELDR-Council) bei der Jahrestagung der ELDR in Barcelona gewesen und hat auch ausführlich darüber berichtet. Die ELDR ist immerhin die drittstärkste europäische Partei und stellt zwei Vizepräsidenten im Europäischen Parlament. Das LIF stellt übrigens auch einen Vizepräsidenten der Liberalen Internationale.

Ich darf annehmen, dass Sie eine entsprechende Korrektur (mit Entschuldigung) in einer der nächsten Ausgaben ins Blatt rücken.

Ihr leicht verärgerter

Univ.-Doz. Dr. Ronald J Pohoryles

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5 Antworten auf Die Nachricht von meinem Tod ist etwas übertrieben…

  1. FaulerWilli sagt:

    Für mich als Zaungast ist das, was Herr Stuhlpfarrer schreibt, durchaus plausibel. Der Zombie-Status des LIF dürfte wohl schwer abzustreiten sein, ebensowenig die linke Schlagseite. (Ja, auch die ÖVP ist links.) Es gibt in Österreich keine wirklich liberale Gruppierung; weil es auch keine Nachfrage bzw. kein Wahlpublikum dafür gibt. Der durchschnittliche Österreicher denkt mehr oder weniger sozialistisch, gerne auch national, und dementsprechend sieht auch das Parteienangebot aus: Von gemäßigt links bis ultralinks in allen Schattierungen. (Die FPÖ ist da lediglich so etwas wie eine SPÖ-Variante auf national.) Und “liberal” sind sie irgendwie alle, weil das halt so gut klingt. Die Grünen mit ihren kommunistischen Wirtschaftsidealen glauben ja auch, sie wären liberal. (So wie z. B. auch ein gewisser Hans Peter H., der gerne den Salonkommunisten gibt.) Die wirklich liberal denkenden Menschen in Österreich kann man an vielleicht 5-6 Händen abzählen. Ist aber sowieso alles wurscht & blunzen, denn der Karren ist längst völlig verfahren und in längstens 25-50 Jahren bestimmen endgültig die “österreicher mit Migrationshintergrund”, was hier gespielt wird. Bin ich froh, daß ich damit nichts mehr zu tun haben werde…

  2. Linke überall – welche fürchterliche Welt… Veraltetes Rechts-Links-Schema erklärt Politik doch nicht wirklich. Und was sozialliberale Positionen betrifft, zeigt ein Blick nach Europa, dass diese durchaus Zukunftschancen haben. Nick Clegg und seine LibDems sind nur ein Beispiel, die holländische D66 oder die finnischen Liberalen ein anderes. Österreich liegt hier noch etwas hinten; aber 100’000 Stimmen für das LIF bei den letzten Nationalratswahlen – und dies trotz einer infamen Kampagne gegen den Spitzenkandidaten – sind zwar nicht das erhoffte Ergebnis. Aber von 100’000 Zombies zu reden, ist wohl etwa unverschämt. Und was Migrationshintergrund betrifft: Nahezu alle heutigen Österreicherinnen und Österreicher haben “Migrationshintergrund”, Tschechen, Ungarn, Polen usw.

  3. FaulerWilli sagt:

    Ja, welch fürchterliche Welt… Politik erklärt sich ganz einfach, wenn man aktuell z. B. nach Griechenland schaut. Wählerstimmenkauf auf Kredit bis zur Pleite. Und ein Volk, das gekauft werden will und gegen die Grundrechenarten streikt. Ansonsten die übliche Lobby-Korruption, Skandalbeispiele gibt’s ja mehr als genug. Möglich, daß liberales Gedankengut in manchen anderen Ländern einen besseren Boden vorfindet – hier in Österreich unter all dem verhausschweinten Gemeindebaubiotop bestimmt nicht. “Österreich liegt hier noch etwas hinten” – ungefähr so viel, wie ich als Nichtschifahrer hinter Hermann Maier liege, wenn wir beide die Streif runterfahren. Ja, super, 100.000 Stimmen, dreimal (!!! ta-ta-ta-taaa !!!) soviel wie die KPÖ, die Christen oder “Rettet Österreich”, das ist schon sehr beachtlich. Ich entschuldige mich daher höflich für den “Zombie” angesichts dieses eindrucksvollen, lebendigen und überzeugenden Resultats. Und was den Migrationshintergrund anbelangt, so hätte ich wohl besser von den Kültürbereicherern geschrieben, damit deutlicher wird, wohin der Zug fährt. Vor 300 Jahren wurden sie mit größter Mühe&Not noch abgewehrt und heute schaufeln wir uns – politisch überkorrekt – das eigene Grab. Salem aleikum!

  4. L.S. sagt:

    Wenn das nicht nach typisch oö. Gesundere klingt … jojo, wiss ma scho, die Bösen sind immer die “Anderen”.

  5. FaulerWilli sagt:

    Noch ein P.S. und dann gebe ich schon eine Ruh’, will ja hier nicht den schönen Blog verunstalten.

    “Und was sozialliberale Positionen betrifft….”

    Ja das “Sozialliberale”. Sozial wie in sozialistisch. Sprache ist verräterisch. Wie sieht’s denn mit – ahem – wirtschaftsliberal aus? Eben. Wenn’s um die “soziale Wärme”, also um hohe und höchste Staats- / Abgaben- / Umverteilungs- bzw. Schuldenquoten geht, zeigen alle ganz fest auf, da sind in Österreich alle gute Sozialliberale – von der SPÖ über FPÖ bis zum LIF. In dieser Hinsicht können wir im internationalen Vergleich mit den “Vorbildern” Frankreich, Griechenland usw. usf. ganz gut mithalten. Und wenn dann einer ganz kalt und unsozial fragt, woher das ganze Brennholz kommen und wie sich das alles rechnen und warum 60-80% von Einkommensanteilen für die “soziale Wärme” abgegeben werden sollen… Warum also das LIF wählen, warum zum Schmiedl gehen, wenn es ohnehin gestandene Schmiede gibt, die mit ihrer bisherigen Schuldenpolitik einen nachweisbaren Track-Record vorlegen können?…

    Nix für ungut, just my2Cents.

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