Die Fraktion der Grünen/Europäische Freie Allianz hat, gemeinsam mit den europakritischen Fraktionen Vereinigte Europäische Linke/ Nordische Grüne Linke im EP und der Europe Freedom and Democracy (neue konservative extrem europakritische Fraktion, die von der britischen Independence Party ins Leben gerufen wurde) haben gemeinsam mit Fraktionslosen, darunter die extreme Rechte und die Liste Hans-Peter Martin, gegen die neue EU-Kommission gestimmt.
Nunmehr kann man durchaus argumentieren, dass die neue Kommission Barroso II kein “Dreamteam” ist. Die Euphorie der Europäischen Liberalen hielt sich auch in Grenzen. Es ist ja durchaus auch nicht so, dass die einzelnen Regierungen der Mitgliedsstaaten auch nicht durchwegs zufriedenstellend sind. Die Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der europäischen Institutionen ist aber wohl ein Hauptziel, das es angesichts der gegenwärtigen Krise Kompromisse erfordert.
Wenn die Grünen nunmehr, wenn auch durchaus aus anderen Motiven als die Populisten und Rechtsextremen, gegen die Kommission stimmen, ist es im Ergebnis das Gleiche: eine Schwächung der europäischen Institutionen. Cohn-Bendits Ausfall u.a. gegen die Liberalen, sie seien heuchlerische Umfaller, ist vor diesem Hintergrund trauriger Populismus und unter seinem sonstigen Niveau.
Lunaceks Begründung für die Ablehnung ist allerdings auf der Höhe ihrer polemischen Europa-Kritik. Schon angesichts der Bestellung des Präsidenten und der Hohen Repräsentantin ist sie durch eine wilde Kritik aufgefallen. Ihre Kritik an der Kommission und damit verbundene Entschuldigung für die Ablehnung ist von ähnlicher Qualität .Wie europäisch sind die Grünen also wirklich?
Dem Europäischen Parlament ist es jedenfalls gelungen, im Austausch zur Zustimmung eine revidierte Rahmenvereinbarung zwischen dem Europäischen Parlament und der Kommission für die nächste Wahlperiode durchzusetzen, die die Rechte des Europäischen Parlaments in einer Konvention festschreibt. Lesen Sie hier Auszüge aus der Vereinbarung.
Das Europäische Parlament,
1. begrüßt den neuen Vorschlag des designierten Kommissionspräsidenten, entsprechend dem Vorschlag in seinen „Politischen Leitlinien für die nächste Kommission“ eine „besondere Partnerschaft zwischen dem Europäischen Parlament und der Kommission“ zu begründen, um das besondere europäische Interesse zu definieren und umzusetzen sowie einen ersten Grundstein für eine erneuerte Europäische Union in der Zeit nach Lissabon zu legen;
2. fordert eine Revision der Rahmenvereinbarung zwischen dem Europäischen Parlament und der Kommission, in der die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Organen geregelt werden, in einer möglichst frühen Phase, wobei die Zusagen des designierten Kommissionspräsidenten José Manuel Durão Barroso als Ausgangspunkt dienen sollten;
3. fordert angesichts dieser Zusagen, insbesondere folgende Punkte in die revidierte Rahmenvereinbarung aufzunehmen:
a) eine Garantie, dass die Kommission den Grundsatz der Gleichbehandlung von Parlament und Rat anwenden wird;
b) die Verwirklichung der besonderen Partnerschaft zwischen dem Parlament und der Kommission durch folgende Vereinbarungen:
• Der Präsident der Kommission wird einen regelmäßigen Dialog mit dem Präsidenten des Europäischen Parlaments über grundlegende horizontale Themenbereiche und größere Legislativvorhaben führen.
• Jährliche gemeinsame Sitzungen der Konferenz der Präsidenten und der Konferenz der Ausschussvorsitzenden mit dem Kollegium der Kommissionsmitglieder.
• Im Rahmen ihrer Arbeit an der Vorbereitung und Umsetzung von EU-Rechtsvorschriften wird die Kommission umfassende Informationen über ihre Treffen mit nationalen Sachverständigen zur Verfügung stellen.
(…)
d) eine Zusage zu enger Zusammenarbeit zwischen Parlament und Kommission in einer frühen Phase bei Aufforderungen zur Vorlage von Gesetzgebungsinitiativen, die aus Bürgerinitiativen hervorgehen;
e) eine Zusage des Parlaments und der Kommission, sich in Vorbereitung künftiger Verhandlungen mit dem Ministerrat über die Anpassung der Vereinbarung über bessere Rechtsetzung an die neuen Bestimmungen des Vertrags von Lissabon und über die Praxis bei der Umsetzung der derzeitigen Vereinbarung über wesentliche Änderungen zu einigen,
f) die Zustimmung zu folgenden Forderungen, damit die Rechenschaftspflicht der Exekutive verbessert wird:
- Ermöglichung der Stellungnahme des Parlaments zu wesentlichen prozeduralen Fragen, die die Kommission betreffen
j) eine Verpflichtungserklärung, die derzeitigen Vereinbarungen bezüglich der Programmplanung durch eine Reihe von Maßnahmen zu verbessern, u. a. durch:(…)
• die Vorstellung ausgewählter Schlüsselinitiativen der Kommission grundsätzlich zunächst im Plenum und erst danach in der Öffentlichkeit;
• eine Zusage seitens der Kommission unverzüglich „die jährliche und die mehrjährige Programmplanung der Union“ einzuleiten, um „interinstitutionelle Vereinbarungen zu erreichen“;






irgendwie kommt es mir vor den liberalen geht es nur um einen konflikt zwischen den grünen und dem lif!
@ Gast
Keinesfalls; Liberale stimmen in vielen Menschenrechtsfragen mit den Grünen überein. Dass sich der europapolitische Kurs der österreichischen Grünen allerdings geändert hat, seit Voggenhuber demontiert wurde, ist wohl kaum zu bestreiten. Gerade den mir seit den 1970er Jahren bekannte Danny Cohn-Bendit, den ich zuletzt während einer Veranstaltung bei der Israelitischen Kultusgemeinde vor einem Jahr hören durfte, schätze ich ungemein, weshalb mich seine Wortwahl überrascht hat. Dieser hat übrigens in Frankreich durchaus große Sympathien für die Liberalen, was man in Österreich kaum spürt…
Sie werden weder auf der LIF-Homepage http://www.liberale.at noch auf meiner Angriffe auf die Grünen finden; und lediglich zwei meiner Blogbeiträge beschäftigen sich auf meiner Homepage mit den Grünen: Zum ersten eine Replik auf die gemeinsam mit Hans-Peter Martin veranstaltete Angriffsserie auf den früheren Partei-Sprecher Alexander Zach – ein echter Untergriff zwei Wochen vor den NR-Wahlen 2008 – und jetzt zweitens, wiederum gemeinsam mit Hans-Peter Martin, in der Ablehnung der Kommission. Kritik wird ja noch erlaubt sein!
Und wenn man die österreichische Regierung als Opposition nicht wählt – dann ist man anti-österreichisch?
Übrigens, guter Artikel im aktuellen Falter zum Thema Korruption, will man wieder nur dem LiF schaden?
Lieber Florian Schweitzer
es wäre hübsch, wenn Sie den Unterschied zwischen Österreich und Europa verstehen würden: Die Kommission ist keine Regierung! Abgesehen davon, dass die Rolle einer Opposition sich nicht im ständigen Nein-Sagen erschöpfen kann. Um aber Opposition konstruktiv anzulegen, bräuchte man wohl ein Programm.
Was das x-te Aufwärmen von bestimmten Fällen betrifft, beginnen Sie mir echt Leid zu tun. Die von evozierten Fälle betreffen Personen, die im LIF seit einiger Zeit keine politischen Funktionen haben; wieso sollte der Artikel also das LIF betreffen? Überdies sind die Personen nach rechtsstaatlichen Kriterien unbescholten. Die bloße Wiederholung Ihrer NEWS-Stories haben offensichtlich nicht zu einer weiteren gerichtlichen Fortsetzung gereicht. Ich selbst kenne die Fälle nicht und sehe keinerlei Veranlassung dazu, mich damit zu beschäftigen.