Ich bin nicht naiv: Internet-Providers sind Kapitalgesellschaften, deren Aktionäre den Shareholder-Value einfordern; dazu gehört auch Investment in Ländern, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen, und ein gewisses Wohlverhalten gegenüber deren Behörden. Die VR China ist hier natürlich eine erste Adresse. Allerdings gibt es hier auch Unterschiede: Google droht, sein Investment in der VR China zurückzuziehen. Menschenrechtsorganisationen haben den Schritt Google’s als “mutig” bezeichnet.
Nach einem Bericht der französischen Tageszeitung “Libération” driht Google nach einem Spionage-Angriff der chinesischen Behörden damit, sich aus der VR China zurückzuziehen. Google hat sich 2006 in der VR China, zwei Jahre nach Yahoo, investiert und 30% Marktanteil gewonnen. China hat heute rund 350 Mio. Internauten, bis 2013 soll sich nach Expertenmeinung diese Anzahl verdoppeln.
Sergej Brin, Mitgründer von Google, hat zögerlich diesem Engagement nur zögerlich zugestimmt. Das Eingehen auf die Zensurwünsche der chinesischen Behörden begründete er 2007 damit, immerhin würden dadurch der Bevölkerung mehr unzensierte Informationen zur Verfügung stehen als zuvor. Weitere Zensurwünsche, wie sie die Behörden 2008 während der Olympischen Spiele geäußert hatten, lehnte Google im Unterschied zu Yahoo ab. Schon damals stand ein Abbruch der Beziehungen zwischen Google und den Behörden im Raum. Der Abbruch scheiterte am Veto der beiden anderen Vorstände, dem anderen Mitgründer von Google, Lawrence Page, und dem Direktor Eric Schmidt.
Der jetzige Spionageangriff der chinesischen Behörden auf die Internauten und im besonderen der versuch, die emails der chinesischen Internauten ausazuforschen, hat nunmehr Google unter dem Druck seines Mitbegründers Segej Brin dazu gebracht, mit einem Schlussstrich zu drohen. Im Unterschied zu Yahoo,; Yahoo hatte schon 2004 die IPs der chinesischer Dissidenten an die chinesischen Behörden weitergegeben. Eine davon, Shi Tao, wurde darauf hin zu 10 Jahren Kerker verurteilt. Das hat Yahoo nicht daran gehindert, 40% der chinesischen Gruppe Alibaba zu kaufen, um sein Engagement in der VR China zu verstärken.
Sergej Brin ist in besonderem Ausmass gegen autoritäre Regimes sensibilisiert: Selbst ein “Refusnik”, Mitglied einer jüdischen Dissidentengruppe in der früheren Sowjetunion, weiss er sehr wohl, Moral auch in einer profitorientierten Branche zu bewahren.






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Ich habe beides, doch ich stimme Dir vollkommen zu, dass Google mit “do no evil” die bessere Strategie fährt. Und der Umzug auf den Server in Hong Kong zeigte deutlich, wo Google steht, wenn es um Bürger- und Menschenrechte geht. Bravo!