Noch mehr Eingriffe in die Privatsphäre – eine brauchbare Lösung zur Sicherheit (des Luftverkehrs)?
von Ronald J. Pohoryles am 8. Januar 2010 | 1 KommentarDie Hysterie nach dem fast erfolgreichen Attentat auf eine Linienmaschine nach Detroit hat zu einer recht fragwürdigen Reaktion der Behörden in den USA und in Europa geführt: Die Nacktscanner, deren Einführung schon einmal trotz Befürwortung durch die Kommission vom Europäischen Parlament unter besonderem Engagement der Liberalen abgelehnt worden war. Zu hoffen, dass das Europäische Parlament auch diesmal der öffentlichen Sicherheitshysterie nicht weicht.
Die Bedenken gegen diesen neuen Angriff auf die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger sind sind wohl nicht von der Hand zu weisen:
- Das Versagen der Geheimdienste müssen nun Bürgerinnen und Bürger mit dem Verlust eines weiteren Stückchens Intimsphäre bezahlen; es gilt der Generalverdacht gegen Flugreisende ohne Vorliegen konkreter Verdachtsmomente.
- Die Effizienz des System ist durchaus fragwürdig: Wie Michael Crowley in der neuesten Ausgabe der “New Republic“ gezeigt hat, ist damit keineswegs jede Gefahr von Selbstmord-Attentaten gebannt. In Saudi-Arabien wäre es einem Al-Quaida Selbstmord-Attentäter kürzlich beinahe gelungen, den Chef der Anti-Terrorismus- Bekämpfung, Prinz Nayaf, in die Luft zu sprengen,und dies trotz aller Sicherheitsschleusen, die der Terrorist, der sich als reumütiger Al-Quiada-Kämpfer Einlass verschafft hatte, passieren musste. Der Verdacht war, dieser hätte den Sprengstoff, von dem schon kleine Mengen ausreichen, in den Holräumen seines Anus versteckt; dagegen sind auch beide Systemeder Boidy-Scanner machtlos. Die Methode wird heute schon von Rauschgiftschmugglern verwendet, die ihre Ware in Kondome verpackt haben. Prinz Nayaf ist übrigens persönlich nach Wahington geflogen, um die Obama-Administration davon in Kenntnis zu setzen. Dennoch kündigte Obama, im Gleichklang mit mehreren europäischen Staaten, den massiven Einsatz von Body-Scannern an.
- Die Technologie der Body-Scanner ist auch in Hinblick auf die Gesundheit der Passagiere umstritten. Zum Einsatz kommen entweder Röntgenstrahlen oder Mikrowellen.
Vollständige Sicherheit kann es in Demokratien nicht geben; Sorge bereitet vielmehr die wachsende Tendenz zum totalen Überwachungsstaat. Werden wir schon demnächst erleben, dass alle Passagiere im Anus nach Sprengstoff untersucht werden, weil die Geheimdienste, trotz eifrigen Datensammelns, nicht im Stande sind, diese auszuwerten und stattdessen immer mehr Daten aus der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger wahllos zu akkumulieren und den Personenkreis immer stärker ausweiten?














Das Problem der fehlenden Datenauswertbarkeit ist spätestens seit “ECHOLON” bekannt. Wesentlicher erscheint mir aber, dass jede Reaktion (Nacktscanner) zu einer Gegenreaktion der TerrorOrg führt. Was würde letztere daran hindern ihre Leute in die Security, die meist private Firmen sind, einzuschleusen, um im entscheidenten Moment vom Scannermonitor wegzuschauen?