Die peinlichen österreichischen Beispiele (Asylwerbende als politisches Kleingeld von Darabos, Fekter & Co, der Fall Zogaj, und, und, und) treiben einem als Österreicher die Schames-Röte ins Gesicht. Allerdings ist Österreich nicht allein in seiner Gemeinheit gegenüber Ausländerinnen und Ausländern. In Frankreich findet derzeit eine Debatte um die nationale Identität statt, die von Minister Eric Besson, passenderweise als Minister für “Integration und nationale Identität” (!) zuständig, angezettelt wurde. Erfolg: Abschiebung nach Quoten (übrigens auch polizeiliche Anhaltungen von Französinnen und Franzosen!), Überprüfung der Staatsbürgerschaft von “naturalisierten” Staatsangehörigen. Das renommierte französische Satire-Magazin “Canard Enchaîné” spricht deshalb in seiner jüngsten Ausgabe vom “Annus xenophobis”. Keine Ente (Canard heisst auf französisch Ente; umgangssprachlich wird so auch die Presse bezeichnet): Die 65-jährige Kinderpsychiaterin Dominique Décant-Paoli, in Hanoi geborene Tochter eines Franzosen und einer Vietnamesin, die 1950 Vietnam verlassen und 1958 mit ihrer Familie in Frankreich eingewandert war, französische Staatsbürgerin, hat im Juli die Neuausstellung ihres Personalausweises beantragt; eine Formalität, etwas bürokratisch zwar, aber wie in Österreich. Ihren fünften! Mit 21 hatte sie ihren ersten Personalausweis ausgestellt bekommen und musste ihre Staatsbürgerschaft nachweisen; danach gingen die Neuausstellungen problemlos. “Ich musste erkennen, dass ich nach der neuen Verordnung des Innenministers vom Jänner 2009 meine Nationalität über 4 Generationen nachweisen muss, wenn ich nicht in Frankreich geboren bin”, so Décant-Paoli zu Libération am 5. Jänner 2010. Es ist übrigens jener Innenminister Brice Hortefeux, enger Freund des Präsidenten Sarkozy, der schon mehrfach durch rassistische Ausfälle von sich reden hat lassen.
Natürlich wird sie ihren Personalausweis bekommen; aber es zeigt sich (nicht nur) an ihrem Beispiel, welches Klima in Frankreich herrscht und wohin die von Eric Besson angezettelte Debatte über die nationale Identität führt. Sie ist selbst in Kreisen von Sarkozys UMP umstritten. Bayrou (MoDem) gehört selbstverständlich zu jenen, die die Debatte über nationale Identität mit Nachdruck ablehnen.






Vomitive!