Zeit zu kämpfen, Zeit zu studieren; ein Appel
von Ronald J. Pohoryles am 11. Dezember 2009 | Kein KommentarEs ist in der Tat erstaunlich, was Österreichs Studierende erreicht haben:
- Eine Bildungsdiskussion in Österreich, die Medien und Öffentlichkeit verstanden und unterstützt haben;
- eine Aufstockung des Universitätsbudgets, die ohne die massive Bewegung der Studierenden nicht erreicht werden hätte können;
- internationale Solidarität und Beispielwirkung in Ländern, die früher in studentischen Bewegung führend waren;
- überzeugend durch Wort und Tat zu beweisen, dass der Widerstand der Studierenden kein Kampf für Privilegien der Bildungsschicht ist, sondern auch andere gesellschaftliche Probleme thematisiert.
Damit ist noch keineswegs alles erreicht, was für die Qualitätsverbesserung der österreichischen Universitäten nötig ist. Nun aber ist der Moment gekommen, die Besetzungen zu beenden und auf andere Weise Reformen durchzusetzen. Aus einem Sieg können Niederlagen werden, wenn der Bogen überspannt wird.
Die Bewegung verliert offensichtlich an Dynamik, und die öffentliche Unterstützung beginnt, ins Gegenteil umzuschlagen. Während die Bildungsdebatte nun an Schwung gewinnen könnte, beginnt eine naive Minderheit der Bewegung damit, durch unklare Ziele und überzogene Deklarationen die gesamte Bewegung zu diskreditieren. Welche Ziele wollen die Audimax-Besetzerinnen und -Besetzer über das Bisherige hinausgehend(öffentliche Debatte + Aufstockung des Budgets) derzeit realistischerweise noch erreichen? Überzeugende Ziele können die Wortführerinnen und Wortführer nicht formulieren, weshalb die Unterstützung unter den Studierenden auch deutlich abgenommen hat. Während zunächst die Besetzung des Audimax große Unterstützung gefunden hat, wird bald dessen Räumung ebenso große Unterstützung finden. So werden aus Siegen Niederlagen.
Österreichisch-pragmatisch, aber politisch äußerst bedenklich: der Vorschlag der Besetzerinnen und Besetzer, während der Parlamentsferien das Parlament statt des Audimax zu besetzen. Das Parlament ist die wichtigste Institution der repräsentativen Demokratie; für Partikular-Interessen ist hier kein Platz. Stürme auf das Parlament haben historisch stets zum Ende der Demokratie geführt. Hier beweist sich Karl Kraus’ Bonmot: “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint”.













