Der KURIER publiziert heute ein Interview mit dem Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. Tariq Ramadan hat einen Master in Islamwissenwissenschaft, und, wie Frau Steiner-Gashi sehr wohl weiss, einer der, höflich gesagt, umstrittensten Personen. Schon im Jahr 2004 hat die Zeit ihn in einem Porträt als “Doppelagent” bezeichnet (DIE ZEIT, 2.9.2004): Er tritt zwar in westlichen Interviews als “moderat” auf, wettert aber gegen “jüdische Intellektuelle”. Als Lehrbeauftragter an der Erasmus Universität Rotterdam und Berater der Stadt Rotterdam für multi-kulturelle Integration wurde er aufgrund fortgesetzer antisemitischer Tiraden im heurigen Sommer entlassen; nicht zuletzt auch wegen seiner Tätigkeit als ‘Anchorman’ im staatliche iranischen “Press TV”, einem Medium, dass offensiv das iranische Regime unterstützt. Für das Programm “Islam & Leben” in diesem fundamentalistischen Medium ist er verantwortlich. Schon zuvor hat die University Notre-Dame eine ursprünglich zugesagte Gastprofessur aus demselben Grund zurückgezogen.
Herr Ramadan vertritt auch äußerst konservative Meinungen über die Rolle der Frau und versucht, innerhalb der muslimischen Gemeinden Europas das LKopftuch durchzusetzen – nicht etwa als Recht, dieses freiwillig zu tragen, sondern als islamische Pflicht.
In dem zitierten Zeitartikel wird er wie folgt dargestellt:
Tariq Ramadan wuchs in einem vom politisierten Islam durchtränkten Milieu auf. Sein Großvater, der Ägypter Hassan al-Banna, hat 1928 die Muslimbrüder gegründet, das Urbild aller militanten Islamistengruppen (ZEIT Nr. 31/04). Sein Vater war zugleich der Lieblingsschüler al-Bannas. Als Muslimbruder in Ägypten verfolgt, ging Said Ramadan ins Exil nach Genf, wo er das Islamische Zentrum ins Leben rief – eine westeuropäische Dependance der Bruderschaft, mit enormer Ausstrahlungskraft bis zum schwarzen US-Bürgerrechtler Malcolm X. Tariq Ramadan bleibt dem Familienerbe treu: Auch ihm geht es um die Durchdringung von Politik und Religion.
Seine Doppelzüngigkeit kann ganz einfach an einem Beispiel gezeigt werden: Während er immer wieder die westlichen Gesellschaften als Gebilde bezeichnet, die bis ins Mark voller »Vorurteile, Rassismus und Islamophobie« stecken, meint er im KURIER-Interview:
Die Leute in der Schweiz und in Österreich sind keine Rassisten. Wer das Bild von Herrn Strache mit dem Kreuz in der Hand noch vor Augen hat, und Tariq Ramadan kennt es, weiß, was von seiner Äußerung zu halten ist.
Bei Frau Steiner-Gashi liest sich das so:
“Prominente Familie: Tariq Ramadan (47) ist der Enkel des legendären Gründers der ägyptischen, streng orthodoxen Muslimbrüderschaft (…) Der erfolgreiche Buchautor, Denker und Universitätsprofessor gilt als Vertreter des europäischen, moderaten Islam.”
Die Muslimbrüderschaft ist die älteste und gefährlichste radikale Muslim-Untergrundorganisation und seit dem 2. Weltkrieg verantwortlich für mehrere terroristische Anschläge und Umsturzversuche. Sie tritt für die Wiedereinführung der Scharia mit allen Konsequenzen ein. Sie hat Zweige in die gesamte arabische Welt und ist eng mit der Hamas verflochten. Die strategischen Optionen werden ausschließlich in arabisch verfasst und publiziert, was Ramadan seine Camouflage im westlichen Kontext ermöglicht. Sie unterhält auch enge Beziehungen zu Neo-Nazis wie dem Schweizer Financier Ahmed Huber.
Neben anderen zentralen Zielen vertritt die Bruderschaft folgende obersten Zielsetzungen:
- Die Wiedereinführung des Kalifats und die Verinigung des Islam unter dessen Führung
- Verstärkung der politischen Arbeit in gesellschaftlichen Gruppen und Infiltration dieser
- Ausbau der internationalen Beziehungen
- Geheimdienst- und Terroraktivitäten (in der Sprache der Muslimbrüder: “spezielle Aktivitäten”) und verstärkte Rekrutierung
- Medienbeeinflussung (im Falle des KURIER gelungen; im Vorjahr hat schon Frau Klingl über die Schönheit des Iran und die friedlichen Absichten des iranischen Atomprogramms berichtet. In der gleichen Ausgabe erschien eine Reisebeilage zum Iran).
Man sieht: Herr Ramadan hat mit einem moderaten Islam wenig zu tun. Zahllose europäische Muslime wehren sich auch dagegen mit Herrn Ramadan identifiziert zu werden. Manche westlichen Medien machen es gerade diesen aber nicht leicht.






Ja, es ist in der Tat eigenartig, wie unbeholfen – da oft auch kenntnislos – mit diesem Thema umgegangen wird. Einerseits wird der Dialog mit der Bevölkerung *über* sie statt mit ihr geführt (das betrifft auch Muslime), andererseits werden “Repräsentanten” herausgestellt, die nur ihre eigenen (ideologischen) Ansichten vertreten. Das sagt nicht nur etwas über “die anderen” sondern sehr viel über unseren eigenen Zugang zu diesem Thema und den Umgang miteinander aus. In der genannten Form ist das einfach oberflächlich und undifferenziert.
Und Tariq Ramadan wurde mehrmals in Wien eingeladen. :-( Vor kurzem noch (Feb. 08) im Burgtheater, bei dem IWM eingeladen, siehe http://tinyurl.com/n3okba)
Noch eine Bibliographie Angabe
- Caroline Fourest, Frère Tariq : Discours, stratégie et méthode de Tariq Ramadan , éditions Grasset, Paris 2004 (Rezension in der FAZ) hier http://tinyurl.com/yzzxlrn