Nachdenkliches zum österreichischen Nationalfeiertag

von Ronald J. Pohoryles am 27. Oktober 2009 | Kein Kommentar

Einmal ernsthaft nachgefragt: Wer weiss noch genau, wie der österreichische Nationalfeiertag zustande kam? Älterer Mensch, der ich nun einmal bin, kannte ich ihn noch als “Tag der Fahne”. Keine Rede von arbeits- oder schulfrei, keine Rede von Volkslauf, schon gar nicht von Heerschau am, passenderweise, Heldenplatz. Aufgereiht im Schulpark, im blauen Blazer in Reih’ und Glied, nur Burschen. Feierliche Rede des Schuldirektors. Eindrucksvolle Rede des Schuldirektors, die wir wohl schon alle vergessen haben. Faschismus, Krieg, Nazis, gar Shoah kam darin nicht vor. Nicht einmal der christliche Widerstand. Wir sollten nur stolz darauf sein, Österreicher zu sein. Danach ab ins Klassenzimmer. Das war jedenfalls bis 1967 vor. Danach immerhin schul- und arbeitsfrei. Dann kamen auch die Paraden des österreichischen Bundesheers. Dazwischen irgendwann avancierte der “Tag der Fahne” zum Nationalfeiertag; kein Wunder, dass das nicht einstimmig ging: Die FPÖ war ja letztlich der deutschen Nation zugehörig… Tja, warum eigentlich gerade der 26.Oktober?

Tag der Unabhängigkeitserklärung und damit der Befreiung vom Naziregime? Nein, das war am 27.April 1945. Für gewisse Kreise eher ein Trauertag: das Nazi-Regime war endlich besiegt. Und dem trauerten nicht wenige nach. Erinnern will sich Österreich sowieso nicht daran. Eignete sich also nicht. Gedenekn an die ermordeten Jüdinnen und Juden, Roma, Widerständler, Restitution, Rehabilierung der Deserteure, das kam alles erst viel später.

Ausrufung der Republik 1918? Ach nein, das war ja im November.

Daher: der Tag der “immerwährenden Neutralität”. Immerwährend also, zumindest in den Köpfen der Politikerinnen und Politiker, die dies noch immer der Bevölkerung glaubhaft machen wollen. Zwar sind wir alle in Europa und unterstützen die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Aber wir sind neutral; in der Definition unseres Außenministers (und ÖAAB-Obmanns, eine der interessanten österreichischen Besonderheiten) heisst dies: Wenn uns andere angreifen, eilen uns unsere europäischen Partner zu Hilfe. Wenn diese angegriffen werden, suchen wir uns selbst us, was wir dann tun. So nachzulesen vor ein paar Wochen in einem Profilinterview…

Ah, ja: Und dafür brauchen wir die allgemeine Wehrpflicht; zu besichtigen, auch nächstes Jahr, am Heldenplatz.

Alles Gute zum Nationalfeiertag.

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