Universitätsranking zeigt: Österreichische Universitätspolitik ist nicht lernfähig

Ich bin zwar kein Freund von Rankings aller Art: Sie sind methodisch durchaus fragwürdig und geben zwar den Rangplatz, nicht aber den Abstand zwischen den Universitäten ab. Die Medien tragen durch unsachgemäßen Umgang mit den Ergebnissen das Ihrige dazu bei. Der Punkteabstand zwischen den einzelnen Universitäten wird zwar von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berichtet und ist oft sehr gering. Diskutiert wird aber meist nur das Ranking. Wissensproduktion unterscheidet sich aber von den Sportarten, wo es um Hundertstelsekunden geht.

Fakt ist aber: Österreich schwächelt im akademischen Bereich, und dies schon seit langem.  In diesem Sinn scheint das Universitätsranking der Times die Realität wiederzugeben: Als einzige heimische Hochschule ist nur die Universität Wien in den Top 200 vertreten. Der Hauptgrund dafür ist das schlechte Betreuungsverhältnis. Und schon ist sie wieder da: die Diskussion um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich in der ORF-Pressestunde für die Wiedereinführung von Studiengebühren ausgesprochen: “”Alle topgereihten Unis haben Studiengebühren und Auswahlverfahren.” Genau das verdeckt aber das wahre Problem des österreichischen Hochschulsystems.

Im EU-Durchschnitt studieren 4,54% der über 14-jährigen Bevölkerung, in Österreich sind es nur 3,65%. Die absolute Zahl der Studierenden ist seit 1999 kontinuierlich gefallen und hat erst 2006 wieder das Niveau von 1999 erreicht.

Folgerichtig liegt der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker an den Berufstätigen in Österreich massiv unter dem EU-Durchschnitt: Während 2006 der Anteil der Akademiker an den Berufstätigen in Österreich 20,5% ausmacht, liegt dieser im europäischen Durchschnitt 28,8%. Unter den EU-15 liegt Österreich damit am beschämenden 13. Platz. Will man hier ernsthaft durch weitere Zugangsbeschränkungen zurückfallen?

Natürlich hat der Missstand mit der Finanzierung zu tun: Österreich hat zu wenige Universitäten, mangelnde Infrastruktur an den bestehenden, zu wenig Personal, das darüber hinaus noch durch hohen bürokratischen Aufwand belastet wird. Das zahlenmäßige Verhältnis von Lehrenden und Studierenden ist schlecht, und diese Situation ist auch nicht dazu angetan, international renommierte Forscherinnen und Forscher, geschweige denn gute Studierende aus dem Ausland anzuziehen.

Der Beitrag der Studiengebühren, wie sie bis zum Vorjahr eingehoben wurden, zum Universitätsbudget ist viel zu gering, um ernsthafte Verbesserungen der unbefriedigenden Zustände an den Universitäten zu erlauben. Diese 363 € trugen lediglich etwa 5,5%, also rund 150 Millionen €, zur Finanzierung der Universitäten bei. Nur eine massive Erhöhung könnte ernsthaft zur Mittelaufbringung beitragen. Beispiele dafür gibt es genügend, etwa in Großbritannien,  dem einzigen EU-Mitgliedsstaat, der den US-amerikanischen Universitäten Konkurrenz macht. Dabei ist der Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung höher, die soziale Durchmischung besserer als in Österreich und ausländische Studierende, im Unterschied zu Österreich, durchaus willkommen.

Das Problem mit den Studiengebühren wäre relativ einfach zu lösen: Günstige Studienkredite, die nicht nur die Studiengebühren zu finanzieren helfen, sondern auch die Finanzierung der darüber hinausgehenden Bedürfnisse der Studierenden gewährleisten und damit ein sorgenfreies Studium ermöglichen, schaffen hier Abhilfe. Die Rückzahlung der Kredite könnte bis zur Aufnahme der Erwerbsarbeit gestundet werden. Wenn dies noch durch eine Grundsicherung unterstützt wird, könnten die Studiengebühren sogar noch auf ein Ausmaß erhöht werden, das den Universitäten ernsthaft helfen würde.

Die Reduzierung der Problematik auf Studiengebühren hilft den Verantwortlichen, von den tatsächlichen Problemen abzulenken.   Forschung und Innovation waren in Österreich stets nur Randthemen.  Forschungs- und Universitätsagenden waren, mit wenigen Ausnahmen, stets Ministerinnen und Ministern vorbehalten, die an dem Thema kaum Interesse hatten. Firnberg, Fischer und Busek gehörten zu den seltenen Ausnahmen; der Posten des Wissenschaftsministers wurde Politikerinnen und Politikern anvertraut, die entweder für Höheres bestimmt waren oder ihren Zenit schon überschritten hatten. 

Die österreichischen Universitäten und Hochschulen benötigen eine tiefgreifende Reform an Haupt und Gliedern. Solche Reformen kosten viel Geld; es sind aber Investitionen in die Zukunft. Wenn man heute Lehre und Forschung vernachlässigt, kann man in der globalisierten Wissensgesellschaft nicht mehr bestehen.

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