Ein Nachtrag:
Es sind noch 19 Familien, die von “Médecins du monde” vor den Toren von Paris betreut werden. Sie leben in Notunterkünften, Zelten, die von der Hilfsorganisation aufgestellt worden waren. Unter ihnen 40 Kinder, 10 davon Säuglinge.
Ihre Wohnwagensiedlung war am 23. März in Bobigny nordwestlich von Paris ein Opfer der Flammen geworden; ein siebenjähriger Bub verstarb in einem brennenden Wohnwagen. Für drei Tage wurde den Roma ein Nachtquartier angeboten; danach räumte die Polizei den Turnsaal in Bobigny, wo sie untergebracht waren.
Die Polizei verlangte von den Roma das sofortige Verlassen des Departments. “Médecins du monde” schaltete sich ein, half mit Zelten aus, die gerade von Pakistan zurückgekommen waren.
Am 11. Juni wurde ihre Zeltsiedlung, die sie auf einem öffentlichen Grundstück in Seine-Saint-Denis errichtet hatten, von der Polizei geräumt: Diese Räumung bestand darin, dass die Polizisten mit Messern ihre Zelte zerstörten. Die Familien wurden obdachlos, im Wortsinn.
Wieder Notunterkünfte. Wie Libération berichtet, gelang es den Hilfsorganisationen am 20. Juli 2009, vor Gericht gegen die Préfecture zu obsiegen: die Familien dürfen auf dem öffentlichen Grundstück verweilen. Aber eine dauerhafte Lösung ist noch nicht in Sicht. Zwar arbeiten die Roma, um die Familien zu erhalten; aber es sind eben nur Gelegenheitsjobs. Unter ständiger Angst vor (Polizei-)Gewalt, Entwürdigung und Beleidigungen ist Integration schwer, obwohl durchaus Hilfe aus der Zivilgesellschaft kommt, von engagierten Lehrerinnen und Lehrern der benachbarten Schule sowie Hilfsorganisationen und anständigen Bürgerinnen und Bürgern.
Man sieht, wie wichtig es ist, dass die Roma mit dem Gedenktag nicht nur auf die tragische Vergangenheit aufmerksam machen, sondern auch auf die triste – und gefährliche – Gegenwart.


