Rettet das RSO – und den ORF gleich mit

Heute abend in Grafenegg eine großartige Aufführung: Verdis Requiem, die Niederösterreichischen Tonkünstler unter dem Chefdirigenten der BBC Philharmonic, Gianandrea Noseda. Verdi hat dieses Requiem bekanntlich nach dem Tod seines Freundes, des Dichters und großen italienischen Republikaners Alessandro Manzoni (1873) zu dessen Ehren komponiert.
Die Freude war allerdings nicht ungetrübt: vom BBC Philharmonic Orchestra ist der Gedankensprung zum ORF Symphonieorchster RSO Wien nicht weit. Der Kampf um dessen Erhaltung geht weiter, trotz der nahezu 30.000 Unterschriften, die die Initiative “Rettet das RSO” bisher schon sammeln konnte. Die Initiative geht übrigens nach wie vor weiter und ich ersuche alle Leserinnen und Leser dieser Seite, die die Petition online zu unterzeichnen. Die Verhandlungen des ORF- Stiftungsrates vom 18.Juni 2009, brachten weder eine Entschärfung des sogenannten „Szenarios 4“, noch einen gangbaren Ansatz zur Lösung der Existenzkrise des RSO im 40. Jahr seines Bestehens.
Die nächsten Termine in diesem Zusammenhang sind die Enquete zum Thema ORF am 16.September im Wiener Parlament, sowie ein erneuter ORF-Stiftungsrat Ende September.
Der Kampf um die Erhaltung des RSO verweist aber auch auf eine tieferliegende Problematik: Es geht um die Existenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer pluralistischen Mediengesellschaft.


Die Entwicklung der letzten Jahre war für den ORF außerordentlich ungesund. Trotz versuchter Kommerzialisierung rutschte der ORF, trotz aller “Entpolitisierung” dem Parteieneinfluss nicht wirklich entzogen, immer stärker in die roten Zahlen, und entfernte sich zugleich immer mehr von seinem eigentlichen Bildungs- und Kulturauftrag. Besonders entlarvend in diesem Zusammenhang war die jüngste Äußerung von Elmar Oberhauser anlässlich des Vertragsabschlusses des ORF mit der UEFA, die Championsleague zeitgleich mit zahlreichen anderen Privatsendern zu übertragen: Sinngemäß meinte er, sonst hätte man Eigenproduktionen herstellen und zeigen müssen, die auch Geld gekostet hätten; genau dies wäre aber der Bildungs- und Kulturauftrag des ORF.
Statt seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag nachzukommen, bietet der ORF im wesentlichen ein Programm, das – zumeist zeitgleich – gemeinsam mit ausländischen Privatsendern von amerikanischen Medienkonzernen eingekauft wurde, in unzähligen Wiederholungen. Der österreichische Gebührenzahler erhält so die “Wahlmöglichkeit”, die diversen CSI-Serien, Arzt-Romanzen und ähnliche Schmonzetten auf ORF oder deutschen Privatsendern zu sehen. Gebühren dafür zahlt er sowieso.
Mag schon sein, dass sich ein kleines Land wie Österreich kein öffentlich-rechtliches Fernsehen mit zwei Kanälen leisten kann. Warum reduziert man dann den ORF nicht auf einen Kanal, aber als Qualitätssender mit europäischen Produktionen (und Förderung österreichischer), ordentlicher Berichterstattung und demokratischen Zugangsmöglichkeiten (in Deutschland bringen die öffentlich-rechtlichen Kanäle bei Wahlen Belangsendungen ALLER kandidierender Parteien, in Österreich nur die jener, die auch in diversen Gremien sitzen…)? Dies würde ohne Zweifel die Kosten reduzieren, und zugleich kann dafür legitimerweise ein finanzieller Beitrag der Öffentlichkeit, der Beitragszahler und/oder der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler eingefordert werden.

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