3. Nationalratspräsident – ein peinliches Schauspiel
von Ronald J. Pohoryles am 30. Oktober 2008 | Kein KommentarKarl Marx schreibt im XVIII. Brumaire des Louis Bonaparte, Hegel paraphrasierend, jener hätte unterstellt, dass sich die Geschichte wiederholen würde. Marx meint, Hegel hätte hinzufügen sollen: “Einmal als Trgödie, einmal als Farce”.
Dies fällt mir zur Wahl von Martin Graf, bekennendes Mitglied der rechtsradikalen schlagenden Verbindung “Olympia”, zum 3. Nationalratspräsidenten ein. Dass er sich als Mitte-Rechts-Politiker deklariert, ist wohl Verhöhnung der Öffentlichkeit. Immerhin war das berühmteste Mitglied der Olympia ein gewisser Herr Norbert Burger…
Schon einmal sollte ein höchst zweifelhafter Politiker in Österreich diese Position einnehmen, Friedrich Peter, ehemals SS-Offizier. Trotz der Unterstüzung von Peters Kandidatur durch die SPÖ – besonders unrühmlich damals die Rolle Bruno Kreiskys, der den Aufdecker der SS-Mitgliedschaft, Simon Wiesental, als Gestapo-Agenten verleumdet hatte – gelang es damals der kritischen Öffentlichkeit (“Civil Society”), diese Peinlichkeit zu verhindern. Die FPÖ bekam zwar ihren 3. Nationalratspräsidenten, aber der Posten wurde mit einer weniger problematischen Person besetzt.
Diesmal war alles anders: Während die Rechte, BZÖ, FPÖ und ÖVP, kein Problem mit Martin Graf hatte – schließlich saß man ja schon einmal zusammen in einer Koalition -, wurde die staunende Öffentlichkeit mit einem peinlichen Eiertanz der SPÖ konfrontiert: Es war ja wohl abzusehen, dass ungültige Stimmabgabe am Wahlausgang nichts ändern würde.
Allerdings hatten die Grünen auch ihren Anteil an der Wahl Grafs: Der scheinheilige Vorschlag, Alexander van der Bellen wählen zu lassen, hat jegliche Kompromiss-Möglichkeit von vorneherein verhindert. Nicht einmal versucht wurde, die FPÖ dazu zu motivieren, einen anderen Kandidaten vorzuschlagen – wie dies ja 1995 gelungen war.
Ein solcher Versuch wäre ehrenwert gewesen und hätte lebendigen Parlamentarismus bewiesen. So aber wurde diese Wahl zu einem peinlichen Schaustück zum Schaden der Republik.



