Abi Nathan ist gestorben – ein großes Vorbild für alle Liberalen

Ein wenig ist Abi Nathan schon in Vergessenheit geraten – ein Einzelkämpfer, der sich schon lange vor dem Entstehen der israelischen Friedensbewegung “Schalom achschaw” (Peace Now) für einen gerechten Frieden im Nahen Osten eingesetzt hatte. Ein Spharde, der, lange bevor der später ermordete Präsident Anwar as-Sadat mit seinem israelischen Gegenüber Yitzchak Shamir Frieden geschlossen hatte, mit seiner Friedensmission zunächst gescheitert war: In einer spektakulären Aktion war er 1966 mit einem Privatflugzeug nach Ägypten geflogen, von dort wurde er postwendend zurückgeschickt. 1967 wurde der nächste Nahost-Krieg vom Zaun gebrochen, der erneut Israels Existenz gefährdet hatte.

Abi Nathan kämpfte seinen Kampf für den Frieden im Nahen Osten unbeirrt weiter: 1973 gründete er den Sender “Kol Haschalom”, die Stimme des Friedens, der nicht nur wegen der Friedensbotschaft, sondern auch wegen des Musikprogramms äußerst populär war. Der Sender war in neutralen Gewässern stationiert: Weder in Israel, noch in Ägypten, hätte der Sender eine Chance auf eine Lizenz gehabt. Mehr als zwei Jahrzehnte hat der Sender die Friedensbotschaft verbreitet.

Abi Nathan hat sein Engagement ohne Rücksicht kompromisslos fortgesetzt, auch um den Preis seiner eigenen Freiheit. 1989 traf er Jassir Arafat, den Chef der PLO, um zu zeigen, dass ein Dialog möglich war. Später ist ihm auch die israelische Regierung gefolgt, und ebenso erfolglos. Er selbst musste dafür für 18 Monate ins Gefängnis.

Bei seinem Begräbnis ehrte Schimon Peres, Friedensnobelpreisträger und nunmehr, endlich, Staatspräsident, Abi Nathan als “Kämpfer gegen Krieg und Armut”. Er ist mit 81 Jahren verstorben. Auch wenn sein Traum noch nicht in Erfüllung gegangen ist: Er hat den Frieden im Nahen Osten mit seinen Visionen möglich gemacht.

Der alte jüdische Abschiedsgruß sei ihm von hier gesandt: Sichrono livracha. Sein Andenken sei gesegnet.

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