“FALTER” warnt vor der roten Gefahr… Das war mir doch einen Leserbrief wert
von Ronald J. Pohoryles am 18. August 2008 | Kein KommentarBarbara Tóth, Kolumnistin der “Besten Stadtzeitung Wiens” hat im letzten Falter eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Sie konstatiert: “Salto nach links: „Mehr privat, weniger Staat“, das war einmal. Im Wahlkampf rücken alle Parteien nach links. Wem nutzt der Neosozialismus?”
Daran meint sie unter anderem:
“Der Wahlkampf 2008 steht, stilistisch gesehen, im Zeichen eines gnadenlosen Populismuswettbewerbs, in dem, inhaltlich bewertet, alle Bewerber nach links rücken. Zum Teil weit nach links, gemessen vom Ausgangspunkt.”
Desweiteren beruft sie sich auf Altkanzler Schüssel, dessen Sozialisten-Phobie sich zur Paranoia anzuwachsen scheint. Dieser soll in einem Focus-Interview geäußert haben: „Sozialisten gibt es leider in allen Parteien“.
Auch das LIF macht ihr Sorgen:
“Und die Liberalen? Mit ihren Vorschlägen wie „Grundsicherung für alle“ und einer 80-prozentigen Steuer für absolute Spitzenverdiener drängeln auch sie dorthin, wo schon die anderen sechs Mitbewerber längst um überschaubaren Platz kämpfen. Ins spendable, linke Eck.”
Die Sorge sollten den beiden genommen werden. Also verfaßte ich folgenden beruhigenden Leserbrief:
Kommunisten überall? Frau Tóth und der Altkanzler können beruhigt schlafen…
Frau Tóth hat es entdeckt: alle Parteien sind unterwegs zum Sozialismus. Bemerkenswert: In einer Zeit, wo selbst gestandene Sozialdemokraten daran zweifeln, dass die Sozialdemokraten ihren Prinzipien treu geblieben sind, entlarvt Frau Tóth alle. Und Schüssel sekundiert: “Sozialisten gibt es leider in allen Parteien”. Schüssel sollte wohl am besten eine Liste “WoSch” gründen, dann würde er endlich von der politischen Bühne abtreten…
Ich kann beide beruhigen, Frau Tóth und Herrn Schüssel: Die SPÖ ist vermutlich tatsächlich eine sozialdemokratische Partei, wenig erstaunlich… Die ÖVP mogelt ein wenig, aber ihre Regierungspraxis gibt kaum Anlass zur Besorgnis. Die nationalen Parteien hatten immer schon eine “sozialistische” Ader, vorausgesetzt es geht um Inländer. Toll, dass Frau Tóth dies nunmehr schon erkannt hat.
Eine besondere Pointe ist aber, dass die gute Frau entdeckt, dass das LIF “ins spendable, linke Eck” dränge. Es dürfte ihr wohl entgangen sein, dass das LIF seit seiner Gründung die bedingungslose Grundsicherung für alle fordert, freilich nicht ohne auf Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Markt zu verzichten. Nachhaltige Entwicklung erfordert ein Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Sozialem, Ökologie und politischen Rechten. Dies erst im Wahlkampf zu erkennen – und dies noch dazu verkürzt – ist einer Qualitätszeitschrift wie dem “Falter” nicht würdig.













