Archiv August 2008

Die Richtigkeit der LIF-Forderungen zum radikalen Wechsel in der Forschungspolitik international bestätigt

von Ronald J. Pohoryles am 21. August 2008 | Kein Kommentar

Forschungspolitik ist in der EU kein Sommerthema: Die Europäische Kommission hat ein permanentes Beratungsgremium für Forschungs- und Technologiepolitik. Die sieben Expertinnen und Experten, die Österreichs Forschungspolitik unter die Lupe genommen haben, kommen zu einem ähnlichen Ergebnis, wie ich es schon zum Ausdruck gebracht habe: Es fehlt seit Jahrzehnten an einer vernünftigen Forschungsstrategie.

Wie sollte die wohl auch zu Stande kommen? Die Kompetenzen sind zersplittert, im Laufe der Jahrzehnte über verschiedene Ministerien verteilt, zuletzt wurden sowohl das Wissenschafts- als auch das Forschungsministerium von Ressortverantwortlichen geleitet, die Universitäten nicht besucht haben… Obwohl: Der derzeitige Wissenschaftsminister ist graduierter Philosoph; er hat die Situation auch nicht wesentlich verbessert. ÖVP und SPÖ haben forschungspolitisch in den unterschiedlichsten Koalitionsformen nicht viel geleistet.

Die Kompetenzen sind übrigens nicht nur auf verschiedene Ministerien aufgeteilt: Es werken auch mehrere para-staatliche Gremien nebeneinander, etwa der rat für Forschung und Technologie, von der ÖVP-FPÖ als Beratergremium mit einiger Steuerungskompetenz eingerichtet und die neu-strukturierte FFG. Dies nicht zum Segen für die österreichische Forschungslandschaft; mehrere Forschungsprogramme etwa hat der Rat verzögert, darunter ein Programm zur Qualitätssicherung der sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschung. Und über die Sinnhaftigkeit der Zusammenlagung des bottom-up orientierten FWF und des technologie-orientierten FFF zur FFG darf diskutiert werden.

Eine zukunftsorientierte Strategie für Forschungspolitik in Österreich ist hier jedenfalls nicht entstanden…

Einige Vorschläge zum Ausweg aus der Misere lassen sich hier auf dieser Homepage finden. Es wird aber ein langwieriger Prozess, die Forschungslandschaft – und die universitäre Ausbildung – auf einen international wettbewerbsfähigen Stand zu bringen. Hervorragende Einzelleistungen in Wissenschaft und Forschung müssen durchaus gewürdigt werden; sie dürfen aber nicht den Blick auf die aktuelle Situation verstellen.

Unglaublich: Die Grünen scheinen sich von der Minderheitenpolitik abzuwenden

von Ronald J. Pohoryles am 20. August 2008 | Kein Kommentar

Das sollte nicht unbemerkt bleiben:

In der heutigen Kronenzeitung (20.8.2008) meint der Kärntner Grüne Spitzenkandidat Köchl zur LIF-Kandidatur von Rudi Vouk:

“Dass Rudi Vouk bei den Liberalen antritt, könnte uns helfen: Vor allem auch, weil wir uns aus der Ortstafelfrage etwas heraushalten. Die Leute haben doch andere Probleme”.

Ich nehme an, dass dies eine Falschmeldung ist und erwarte mir von Köchl und van der Bellen ein wütendes Dementi – oder wollen die Grünen der SPÖ den Platz an der Sonne (Kronenzeitung) streitig machen?

Nicht vergessen: Wir reden von Grundrechten und dem Rechtsstaat: Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs harrt in Kärnten der Umsetzung…

Ein Leserbrief an den FALTER – und sein Schicksal

von Ronald J. Pohoryles am 20. August 2008 | Kein Kommentar

In einem Artikel im FALTER beschwerte sich Frau Tóth über den Linksruck in der österreichischen Parteienlandschaft – da sie so besorgt war, schrieb ich einen Leserbrief, in dem ich sie beruhigte: Die SPÖ ist tatsächlich – vermutlich – sozialdemokratisch, der ÖVP glaubt man ihre soziale Ader ohnedies kaum, der rechte Rand war schon immer sozial, aber nur für nationale…

Und das LIF hat die Grundsicherung nicht als Wahlzuckerl erfunden, wie Frau Tóth meint, sondern vertritt diese Position seit seiner Gründung.

Der Falter ließ in der Publikation meines Leserbriefs genau jene Passage aus, die die Position des LIF erläutert und Frau Tóth hier korrigiert.

Hier die weggelassenen Teile des Leserbriefs:

Auch das LIF macht ihr Sorgen:

“Und die Liberalen? Mit ih­ren Vorschlägen wie „Grundsicherung für alle“ und einer 80-prozentigen Steuer für absolute Spitzenverdiener drängeln auch sie dorthin, wo schon die anderen sechs Mitbewerber längst um überschaubaren Platz kämpfen. Ins spendable, linke Eck.”

Und mein Kommentar dazu:

Eine besondere Pointe ist aber, dass die gute Frau entdeckt, dass das LIF “ins spendable, linke Eck” dränge. Es dürfte ihr wohl entgangen sein, dass das LIF seit seiner Gründung die bedingungslose Grundsicherung für alle fordert, freilich nicht ohne auf Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Markt zu verzichten. Nachhaltige Entwicklung erfordert ein Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Sozialem, Ökologie und politischen Rechten. Dies erst im Wahlkampf zu erkennen – und dies noch dazu verkürzt – ist einer Qualitätszeitschrift wie dem “Falter” nicht würdig.

Den restlichen Leserbrief kann man – unzensiert – auf meinem Blog nachlesen; interessant aber ist, dass genau jene Passage weggelassen wurde, die auf das LIF verwies. Ohne böse Absicht zu unterstellen und bei aller Anerkennung des Rechts der Redaktion auf Kürzungen: Diese war doch recht ungeschickt…

Forschungspolitik – nur ein Sommerthema?

von Ronald J. Pohoryles am 20. August 2008 | Kein Kommentar

Es ist günstig, dass der Wahlkampf noch nicht voll eingesetzt hat und es das journalistische Sommerloch noch nicht gibt. So kommt denn auch Forschungspolitik als Thema endlich an die Öffentlichkeit, wenn auch etwas verspätet: In Frankreich wurde das Universitätsranking schon Anfang August diskutiert, und ich habe den heutigen Kommentar der anderen sofort nach Publikation des Rankings Anfang August dem FORMAT angeboten; dort ist er aber zunächst nicht auf Interesse gestoßen. Erst nachdem, mit wochenlanger Verzögerung, die APA die Ergebnisse des Rankings publizierten und der ORF die Ergebnisse – wenn auch etwas geschönt (“Mittelmaß” statt “Nachhinkend”) auf seiner Science Homepage brachte – gelang es, das Thema einem breiteren Publikum zu kommunizieren. Dass dieses dort auf viel breiteres Interesse gestoßen war, als so mancher Journalist zuvor glaubte, läßt sich allein daraus ersehen, dass mein heute (20.8.2008) erschienener “Kommentar der Anderen” zahlreiche – und zumeist positive – Postings erhielt.

Das LIF wird dafür sorgen, dass Forschung kein Sommerthema bleibt.

Forschung und Wissenschaft – Wo bleibt Österreich?

von Ronald J. Pohoryles am 18. August 2008 | Kein Kommentar

Universitätsrankings haben immer ihre methodischen Probleme, aber als Hinweis auf die Durchschnittsqualität haben sie einige Aussagekraft, vor allem wenn sie von mehreren unabhängigen Rankings bestätigt werden.

Wie alljährlich hat die Jiao Tong Universität Shanghai ihren Index über die Qualität der Universitäten in aller Welt herausgebracht. Unter den besten 50 Universitäten Europas befindet sich keine einzige österreichische Universität, unter den besten 100 gerade zwei. Weltweit befinder sich keine einzige österreichische Universität unter den besten 200 Universitäten, unter den besten 300 Universitäten gerade einmal zwei: Die Universität Wien und die Medizin-Universität Wien. Das Universitätsranking gilt als das objektivste: Es ist frei von nationalem bias. Das berühmteste europäische Ranking, erstellt von der renommierten Times, kommt zu einem etwas anderen Ergebnis, das die britischen Universitäten etwas besser aussehen läßt – und die europäischen insgesamt gegenüber der US-amerikanischen Konkurrenz. Für Österreichs Universitäten sind die Ergebnisse allerdings ähnlich peinlich.

Mit der Größe des Landes hat das nichts zu tun: Unter den besten 15 Ländern findet man Schweden, die Schweiz, Dänemark, Israel, die Niederlande, Norwegen und Finnland.

Die Misere beginnt natürlich schon im Bildungssystem: Während im EU-Durchschnitt 4,54% der über 14-jährigen Bevölkerung studieren, sind es in Österreich nur 3,65%. Die absolute Zahl der Studierenden ist seit 1999 kontinuierlich gefallen und hat erst 2006 wieder das Niveau von 1999 erreicht.

Die Konsequenz:

Der Akademikeranteil unter den Berufstätigen liegt in Österreich massiv unter dem EU-Durchschnitt: Während 2006 der Anteil der Akademiker an den Berufstätigen in Österreich nur 20,5% ausmacht, war dieser Anteil im europäischen Durchschnitt 28,8%. Unter den EU-15 liegt Österreich damit am beschämenden 13. Platz.

In Österreich bleibt das Thema unbemerkt, von der Öffentlichkeit ebenso wie von der Politik. Man hat sich daran gewöhnt, forschungspolitisch im Niemandsland zu stehen. Einzelne Leistungen österreichischer Forscherinnen und Forscher, auch gerne gesehen, Nobelpreisträger mit österreichischen Wurzeln, die 1938 vertrieben wurden, verdecken den Blick auf diese traurige Realität.

Ohne drastische Veränderung in der Politik wird Österreich weiter zurückfallen.