Forschung und Wissenschaft – Wo bleibt Österreich?

Universitätsrankings haben immer ihre methodischen Probleme, aber als Hinweis auf die Durchschnittsqualität haben sie einige Aussagekraft, vor allem wenn sie von mehreren unabhängigen Rankings bestätigt werden.

Wie alljährlich hat die Jiao Tong Universität Shanghai ihren Index über die Qualität der Universitäten in aller Welt herausgebracht. Unter den besten 50 Universitäten Europas befindet sich keine einzige österreichische Universität, unter den besten 100 gerade zwei. Weltweit befinder sich keine einzige österreichische Universität unter den besten 200 Universitäten, unter den besten 300 Universitäten gerade einmal zwei: Die Universität Wien und die Medizin-Universität Wien. Das Universitätsranking gilt als das objektivste: Es ist frei von nationalem bias. Das berühmteste europäische Ranking, erstellt von der renommierten Times, kommt zu einem etwas anderen Ergebnis, das die britischen Universitäten etwas besser aussehen läßt – und die europäischen insgesamt gegenüber der US-amerikanischen Konkurrenz. Für Österreichs Universitäten sind die Ergebnisse allerdings ähnlich peinlich.

Mit der Größe des Landes hat das nichts zu tun: Unter den besten 15 Ländern findet man Schweden, die Schweiz, Dänemark, Israel, die Niederlande, Norwegen und Finnland.

Die Misere beginnt natürlich schon im Bildungssystem: Während im EU-Durchschnitt 4,54% der über 14-jährigen Bevölkerung studieren, sind es in Österreich nur 3,65%. Die absolute Zahl der Studierenden ist seit 1999 kontinuierlich gefallen und hat erst 2006 wieder das Niveau von 1999 erreicht.

Die Konsequenz:

Der Akademikeranteil unter den Berufstätigen liegt in Österreich massiv unter dem EU-Durchschnitt: Während 2006 der Anteil der Akademiker an den Berufstätigen in Österreich nur 20,5% ausmacht, war dieser Anteil im europäischen Durchschnitt 28,8%. Unter den EU-15 liegt Österreich damit am beschämenden 13. Platz.

In Österreich bleibt das Thema unbemerkt, von der Öffentlichkeit ebenso wie von der Politik. Man hat sich daran gewöhnt, forschungspolitisch im Niemandsland zu stehen. Einzelne Leistungen österreichischer Forscherinnen und Forscher, auch gerne gesehen, Nobelpreisträger mit österreichischen Wurzeln, die 1938 vertrieben wurden, verdecken den Blick auf diese traurige Realität.

Ohne drastische Veränderung in der Politik wird Österreich weiter zurückfallen.

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